Hendrik Morkel

Wenn in Koli der Frühling auf den Winter trifft

Piroggen, Sauna und Eisfischen in Karelien

In Koli treffen Welten aufeinander – man findet viel Ruhe, Entspanntheit und Tradition oder steile Skipisten und schnelle Motorschlitten. Die herrlichen Aussichten und lokalen Köstlichkeiten werden aber jeden in Karelien verzaubern! „Koli? Das ist doch die meist-fotografierte Landschaft Finnlands!“, mag es dem einen oder anderen Leser durch den Kopf schießen. Und in der Tat ist die Aussicht vom Ukko-Koli über den See Pielinen mit seinen Inseln und den lieblichen, bewaldeten Hügeln die Landschaft, die in Finnland am meisten fotografiert wird und schon lange Künstler inspiriert hat. Und als wir mit einer Gruppe von Freunden, Koli und die umliegende Region besuchten, war auch ein Spaziergang zum Ukko-Koli unser erstes Abenteuer.

Auf zum Ukko-Koli

Der Ukko-Koli ist ein 347 m hoher Hügel, der mit seinen Kollegen Akka-Koli (339 m), Paha-Koli (334 m) und Pieni-Koli (238 m) im Koli-Nationalpark die höchsten Erhebungen in der Region sind. Wer ambitioniert ist, kann die Hügel vom Fuße des Sees erklimmen, aber die meisten Menschen, wie auch wir, starten vom nur einige hundert Meter entfernten Kolin luontokeskus Ukko, dem Museum und Informationszentrum des Nationalparks. Von hier sind es keine 50 m Aufstieg bis zum Aussichtspunkt, und nun, im Übergang von Winter zu Frühling, ist man noch am besten mit Schneeschuhen unterwegs, damit man nicht knietief in den durchnässten Schnee einsackt.

Zusammen mit einer Wanderführerin wandern wir durch den stillen Wald. Die Bäume entlang des Pfades sind kleine Kunstwerke, die durch die harschen Jahreszeiten hier geformt wurden. In ihren Ästen hängen Flechten, in der Umgangssprache auch als Baumbart oder Bartflechten bekannt, die Zeugen der sauberen Luft hier oben sind. Die Temperatur knapp über Null bedeutet aber auch, dass der Schnee in den Bäumen langsam schmilzt, und so tropft es wie in einem tropischen Regenwald auf uns hinab – wie gut das wir uns unter unseren Kapuzen verstecken können, damit uns kein kalter Tropfen in den Nacken fällt. Doch als wir voller Vorfreude auf das Panorama auf dem Ukko-Koli ankommen, ist die Aussicht die gleiche wie ich sie bisher kenne: wolkenverhangen und grau. Der unter uns liegende Wald verschwindet schon nach einigen hundert Metern im grauen Nebel und so können wir uns das wunderschöne Panorama nur später auf Gemälden und Fotos ansehen.

Eisfischen auf dem Pielinen

Zurück im Kolin luontokeskus Ukko ziehen wir wieder die Schneeschuhe aus, die uns so gute Dienste geleistet haben. Den Weg hinunter zum See Pielinen legen wir mit dem Sessellift zurück, der normalerweise die Ski und Snowboarder hier den Berg hochfährt, damit sie auf den steilen Pisten gen See rasen können. Zu Fuss gehen wir auf der Rantatie zum Basecamp von Koli Activ, wo wir in die Geheimnisse des Eisfischens eingeführt werden. Warm eingepackt und mit einer Eisangel im Gepäck verlassen wir das rote Haus am Strand des Sees und spazieren runter aufs Eis, wo ein halbes Dutzend Tretschlitten für uns bereitstehen. Auf dem glatten Eis ist dies die mit Abstand beste Fortbewegungsmethode – und sie macht auch noch eine Menge Spaß!

Zusammen mit unserem Angelguide fahren wir zu einer vielversprechenden Stelle, wo wir nacheinander mit einem Eisbohrer ein Loch in das noch über 50 cm dicke Eis bohren. Damit sind auch schnell alle Sorgen aus der Welt, ob das Eis dick genug ist! Nach und nach kehrt Ruhe ein, als ein Eisangel-Loch nach dem anderen gebohrt ist und wir fleißigen Eisfischer vor unserem Loch sitzen. Nur unsere Angelspitze bewegt sich im Rhythmus immer wieder nach oben, um die Fische anzulocken. Doch auch knapp eine Stunde später hat sich kein Barsch bei uns gemeldet und so beschliessen wir das zu tun, was bei diesem Wetter am meisten Sinn macht: wir gehen wieder rein!

Köstliche Karelische Piroggen

Karelische Piroggen, Karjalanpiirakka auf finnisch, sind das mit Abstand Leckerste, was man an einem kalten Tag essen kann. Seit ich in Finnland angekommen bin – vor über 15 Jahren – gehören diese kleine Teigtaschen mit einer Milchreisfüllung zu meinen finnischen Lieblingsspeisen. Frisch aus dem Ofen mit munavoi – einer Butter aus gekochten und zerstückelten Eiern und Butter – ist es so köstlich, dass es manchmal schwer fällt, nicht noch eine zu essen! Sie können sich also sicher gut vorstellen, wie erfreut ich war, nun von einer Expertin die Kunst des Herstellens karelischer Piroggen zu lernen!

Ritva vom Gasthaus Majatalo Männikkölä Pirtti ist in ganz Finnland für ihre karelischen Piroggen bekannt und unsere kleine Gruppe fühlte sich sofort willkommen in ihrem gemütlichen Gasthaus. In dem großen Gemeinschaftsraum hatte sie schon alles für uns vorbereitet: Den Roggenmehlteig, den Milchreis und viel, viel Mehl zum Kneten und Ausrollen und Backen! Während wir eine gute Tasse schwarzen Kaffee trinken, erzählt uns Ritva mehr über die karelischen Piroggen und ihre über 30-jährige Erfahrung im Backen dieser kleinen Köstlichkeiten. ”Genug erzählt – Schürzen an!”, lacht Ritva als sie fertig ist, und so stehen wir bald vor den Holztischen und lernen, wie man den Teig richtig durchknetet und ausrollt, wie viel vom Milchreis auf den ausgerollten Teig gehört und natürlich das Wichtigste: wie diese fast runde, kleine Pizza nun zu dieser bekannten Teigtasche wird. Am Anfang sind unsere Piroggen noch einfach von Ritvas kleinen Meisterwerken zu unterscheiden, doch nach und nach werden wir besser und am Ende ist Ritva ganz stolz auf unsere Karjalanpiirakka und wie schön wir die Ränder gefaltet und zusammengekniffen haben.

Diese kleinen Teigtaschen verschwinden dann auch ganz schnell im Ofen und tauchen gold-braun und fertig eine Weile später wieder vor uns auf. ”Nun noch mit etwas flüssiger Butter eingestrichen und fertig”, lernen wir und hier und da hört man schon einen Magen knurren – nach soviel Backen können wir es kaum abwarten, unsere karelischen Piroggen zu probieren. Und tatsächlich: sie schmecken einfach fantastisch! Mit etwas Eierbutter sind diese frischen, kleinen Teigtaschen einfach immer noch eine der leckersten Kleinigkeiten, die man in Finnland essen kann.

Spa, Sauna und Yoga

Wer wie ich einige karelische Piroggen zu viel gegessen hat, dem kann eine Yoga-Session im Wald ganz gut tun. Und so spazieren wir nach einer weiteren Tasse Kaffee mit unserem Yogalehrer in den stillen Wald unweit des Gasthauses Majatalo Männikkölä Pirtti. ”Sucht Euch einen schönen Baum und etwas ebenen Boden”, ist unsere erste Aufgabe, und nach und nach verteilen wir uns im Wald, an Birken, Kiefern und Fichten, mit den Füßen zwischen weichem Moss und Preiselbeersträuchern. Mit und ohne Baum entspannen wir uns bei leichten Yogaübungen und schon bald fühlen wir die einsame Stille des Waldes um uns herum und wie sie Teil von uns wird. Wir atmen die frische, saubere Waldluft tief ein und spüren die strukturierte Rinde der Bäume an denen wir uns festhalten.

Spürbar ruhiger verlassen wir nach einer knappen Stunde wieder den Wald und mit der einsetzenden Dämmerung ist es auch schon wieder Zeit zum Hotel zurückzukehren, denn dort erwarten uns im Spa viele verschiedene Saunas sowie ein Whirlpool – und gibt es einen besseren Ort als eine Sauna, um ein relaxtes Finnland-Abenteur ausklingen zu lassen? Wahrscheinlich nicht!

Tipps vom Dein Finnland Team

Wer die Region Karelien auf besondere Art und Weise kennenlernen möchte, sollte in den Karelischen Gasthäusern übernachten. Hier könnt Ihr im Winter mit Langlaufski von Gasthaus zu Gasthaus wandern oder im Sommer mit dem Rad fahren. Einzigartige Aktivitäten warten in jedem Gasthaus auf Euch.

Im Break Sokos Hotel Koli wartet ein relaxendes Spa und viele Ski- und Wandermöglichkeiten auf die Besucher.

Im Kolin Ryynänen findet Ihr die bestimmt besten lokalen Biere sowie köstliches Essen aus lokalen Zutaten.

Das Break Sokos Hotel Bomba in Nurmes mit seinen einzigartigen alten Gebäuden am See ist ein interessanter Mix aus Alt und Neu – ideal für Familien mit Kindern, die am Strand oder im Schwimmbad ihren Spaß haben werden.

Koli Activ im Hafen von Koli bietet eine Vielzahl von Sommer und Winteraktivitäten an – vom Eisfischen zum Paddeln auf dem Pielinen See.

Mehr Informationen über die Region findet Ihr auf Visit Karelia.