Wandern im Kvarken Archipelago

Hendrik Morkel

Kleine Häfen mit roten Bootshäusern, Seeadlern und wilden Blumen – eine Wanderung im Kvarken Archipelago bietet viel für die Sinne.

Von Brücken und Anglern

Schon die Fahrt auf die Schäreninseln ist ein Erlebnis und führt über die längste Schrägseilbrücke Finnlands, die bei zu viel Wind auch schon mal geschlossen wird. Das haben wir aber zum Glück noch nicht erlebt. Knappe 20 Minuten braucht man mit dem Auto von Vaasa bis zur Raippaluodon silta, der 1 km langen Schrägseilbrücke, die bis zu 82 m über der Ostsee das Festland mit den Archipelago Inseln verbindet. ”Früher ging hier nur eine Fähre rüber” erzählt mir meine Frau, als wir über die Brücke fahren. Am Geländer der Brücke stehen unzählige Angler, die ihre Köder in die Ostsee unter der Brücke hängen. Ab und an sieht man einen von ihnen mit einem Lächeln auf dem Gesicht während er seine Rolle kurbelt, die anderen hängen über das Geländer und schauen auf das Meer hinab.

Wir wollen aber nicht angeln, sondern eine Runde wandern gehen. Die einzigartige Landschaft des Kvarken Archipelagos mit seiner Artenvielfalt ist für Kinder & Erwachsene gleichermassen interessant und mein Sohn freut sich schon mit Mama & Papa den Trail zu erkunden. In Svedjehamn, dem idyllischen kleinen Hafen am Ende der Straße in Björkö, parken wir das Auto auf dem Parkplatz für Wanderer, schnappen unsere Rucksäcke und machen uns auf den Trail.

Auf den Bodvattnet runt

Eine Informationstafel am Parkplatz gibt Wanderern Informationen über die Pfade, die man hier erwandern kann, während Hinweisschilder entlang des Trails dafür sorgen, dass man nicht vom Pfad abkommt – Kompass und Karte braucht man also nicht. Wer aber mehr als die Bodvattnet runt Runde von Svedjehamn aus wandern möchte, zum Beispiel den Björkö – Panike Trail, der sollte ein Packraft – das ist ein robustes, leichtes Gummiboot, das man im Rucksack transportieren kann und keine 3 kg wiegt – dabei haben oder dafür sorgen, dass man an den zwei Meeresstraßen von einem Boot abgeholt wird. Heute wollen wir nur die Natur auf dem Bodvattnet runt Pfad erforschen, Vögel beobachten und ein kleines Picknick machen, daher braucht es nur ein Fernglas & Bestimmungsbuch, was zu essen & eine Thermosflasche und natürlich eine Picknickdecke!

Die Bodvattnet runt Runde ist etwas über 4 km lang, was wir eine angenehme Länge für unseren drei-jährigen Sohn finden. Er kann die ganze Strecke alleine laufen ohne getragen werden zu wollen, was Mama & Papa immer angenehm finden. Dazu gibt es viel zu sehen, wobei der Höhepunkt für unseren Kleinen der schöne Vogelbeobachtungsturm ist, von dem man einen weiten Ausblick auf die Landhebungen, das Meer und die De-Geer Moränen hat – und natürlich besonders gut die Vögel beobachten kann! Singschwäne mit ihrem Nachwuchs tummeln sich aber schon gleich am ersten Gewässer, das wir passieren und wir machen eine ausgedehnte Beobachtungspause. Mama & Papa Schwan kümmern sich um ihre Kleinen & schauen das sie immer in der Nähe bleiben, was die neugierigen, kleinen Singschwäne nicht immer gut finden – viel lieber würden sie das Schilf erforschen gehen!

Wir gehen über schmale Pfade weiter und freuen uns über die saftig-grüne Landschaft. Nach einem langen Winter weiß man den Sommer sehr viel mehr zu schätzen mit seinen vielen, bunten Wildblumen und grünen Laubbäume. Vögel zwitschern von den Ästen, die Kühe grasen auf der Weide und unser Sohn hat einen Wanderstock gefunden, der auch für Papa passend wäre. Der graue Himmel weicht langsam einem blauen und die Sonne kommt hinter den Wolken hervor. Die alten Fischerhütten am Bodvattnet, dem Gewässer das dem Pfad seinen Namen gibt, sehen herrlich aus mit ihren vom Wetter verfärbten Holzwänden. An den Wänden hängen alte Fischernetze und vor den Türen stehen riesige Fässer, in denen der Fang früher gelagert wurde.

Flora und Fauna

”Kühe” kommt auf einmal ein Ruf von unserem Sohn, als er die schwarzen und braunen Rinder auf der anderen Seite des Gewässers sieht. ”Was machen die da, Papa?” fragt er neugierig. ”Die kühlen sich ab in dem See” erkläre ich. ”Warum?” kommt gleich die nächste Frage. ”Wahrscheinlich weil ihnen warm ist”. “Mir ist auch warm. Kann ich nun auch in den See springen?” ”Vielleicht ziehen wir besser die Jacke aus wenn Dir warm ist, und wenn Dir nachher immer noch warm ist, kannst Du mit der Badehose ins Wasser springen, OK?” ”OK” antwortet der kleine Entdecker und rennt mit seinem Stock auf dem Pfad weiter. Hier und da hält er an um uns zu erklären, dass das Heidelbeersträucher sind und das die kleinen roten Blüten im Herbst zu den Heidelbeeren werden. ”Dann müssen wir hierher zurückkommen um die zu pflücken, dann können wir daheim Muffins backen!” Meine Frau und ich müssen lachen und wundern uns, dass er diese Informationen sich wohl letzten Sommer, als wir wandern waren, gemerkt haben muss.

Wir wandern weiter über herrlich schmale Pfade, die von Heidelbeersträuchern gesäumt sind, während die Birken mit ihren frischen, grünen Blättern uns Schatten spenden. Der Wind bringt den salzigen Geruch des Meeres zu uns und als wir dem Pfad auf eine der kleinen Grate folgen, haben wir eine schöne Aussicht auf das Meer und die in Falten sich aufwerfenden De-Geer Moränen. Denn dass ist das besondere am Kvarken Archipelago: Das sich durch die postglaziale Landhebung jährlich etwa 100 Hektar land aus dem Meer erheben. Viele der kleinen Wasserwege sind nur einige Zentimeter tief – ideal für laichende Fische und nistende Vögel. Und was dieses Jahr noch wie das Meer aussieht, kann in einigen Jahren schon eine Insel sein. Es ist ein langsamer Prozess der noch einige Jahrhunderte andauern wird, aber etwas das die Landschaft hier Jahr um Jahr verändert. Deshalb ist das Kvarken Archipelago auch ein UNESCO Weltkulturerbe und das einzige Naturweltkulturerbe in Finnland.

Vogeltürme und Eis

”Was machen die da?” fragt unser Sohn und ruft uns zurück in die Gegenwart. ”Die grillen Würstchen” antwortet meine Frau. ”Ich will auch ein Würstchen”. ” Wir sind gleich am Vogelturm, da machen wir dann ein Picknick” sage ich und als wir nach der nächsten Biegung im Pfad dann den Turm sehen, fängt er an zu rennen. Als wir am Turm ankommen sitzt er schon an einem der Tische und ruft uns zu, dass wir jetzt das Picknick machen müssen. Nach einer Tasse Tee, einem kleinen Snack und vielen Gesprächen klettern wir dann den Vogelturm hoch.

Nach 234 Stufen stehen wir oben auf der Platform und schnell werden die Kapuzen angezogen – es weht ein kaltes Lüftchen hier oben. Wir sehen die Singschwäne unten im See, hören die Rufe der Küstenseeschwalbe und entdecken auch einen Haubentaucher der auf dem Bodvattnet See schwimmt. Lachmöwen, Sturmmöwen und große Silbermöwen kreisen über dem kleinen Hafen von Svedjehamn, aber das Highlight ist als wir zwei Seeadler hoch über uns kreisen sehen. ”Ich will auch mal mit dem Fernglas gucken” sagt unser Nachwuchs und findet es dann viel besser verkehrtherum reinzuschauen weil Mama und Papa dann so weit weg sind! Wir schauen noch eine Weile wie die Seeadler über uns segeln bevor sie hinaus aufs Meer fliegen und klettern dann wieder die vielen Stufen herunter.

Vom Vogelturm bis zum Parkplatz ist es dann nicht mehr weit. ”Wie wäre es mit einem Eis?” fragt meine Frau in die Runde und natürlich wollen wir nach der schönen Wanderung, und nun das die Sonne warm auf uns hinab scheint, ein Eis! Im Café am Hafen sitzen wir auf der Terrasse und lecken zufrieden unsere Kugeln – Nach solch einem schönen Wandertag haben wir uns das auch auf jeden Fall verdient!

In 2016 zelebrieren das Kvarken Archipelago und die Hohe Küste in Schweden 10 Jahre als Weltkulturerbe. Während diesem Jubiläum gibt es spezielle Festivitäten & Wettbewerbe.

Mehr zum Kvarken Archipelago findest Du auch auf der Webseite von Visit Vaasa und in der Outdoor Broschüre von Visit Finland.