Kathrin Deter

Sommer, Sauna, Stadtkultur

Die Region Jyväskylä und Mittelfinnland

Im Sommer verreisen die Finnen nicht, weil sie ganz einfach wissen, dass die wenigen warmen Monate in ihrer Heimat am allerschönsten sind. Endlose Abende und strahlende Sommernächte, warme Seen und frische Natur – all das lässt sich nirgendwo anders so erleben. Unsere Reise durch Mittelfinnland zeigt uns den finnischen Sommer von seiner besten Seite, und wir können neben der atemberaubenden Natur auch die Geschichte und die Architektur entdecken. Die Region um Jyväskylä bietet vielfältige Möglichkeiten und ist damit das ideale Ziel für den finnischen Sommer!

Es ist schon 22 Uhr, aber es ist noch richtig hell. Die Sonne nähert sich langsam den Baumkronen am Horizont auf der anderen Seite des Sees und taucht alles um sich herum in ein sanftes oranges Licht. Alles ist still, das Wasser wird nur ab und zu durch einen hüpfenden Zander bewegt. Ich tauche meine Kelle in das Wasser und gieße es langsam über die heißen Saunasteine, das aufkommende “Löyly” vernebelt gleich die ganze Sauna. Die gläserne Iglu-Sauna des Revontuli Resorts liegt direkt am See Iso-Virmas, der perfekte Ort, um einen entspannten Abend zu genießen und einen Besuch in der Region von Jyväskylä einzuläuten.

Mittelfinnland ist bekannt für zahllose Seen und seine Saunakultur. Es ist nicht nur die “Sauna Region of the World”, sondern zelebriert auch mit der “Sauna Region Week” die Sauna jedes Jahr gebührend mit Veranstaltungen rund um und in der Sauna. Von schwimmenden Saunabooten zur tiefschwarzen Rauchsauna, Saunajoga oder eine traditionelle Waschung in der Sauna ist alles dabei, es gibt viel zu entdecken und zu lernen.

Mit das wertvollste finnische Kulturgut hat sich mittlerweile von der Notwendigkeit zu sozialem Event entwickelt. Hierbei gilt es nur eine Regel zu beachten: es gibt keine Regeln. In der Sauna geht es um subjektives Wohlbefinden und Entspannung. Am meisten fühlt man das nach dem Sprung in den See, gleich aus der Sauna heraus, für das unvergleichliche Kribbeln danach. Aber es ist auch nicht das einzige, was diese Region auszeichnet.

Auch die Übernachtung im Glasiglu ist etwas ganz besonderes: was vor allem im Winter mit direktem Blick auf die Nordlichter besticht, ist auch im Sommer ein entspannendes und friedliches Erlebnis. Wir beobachten die Bäume in der lauen Sommerbrise und genießen den wunderschönen Blick auf den See. Eine tolle Option für diejenigen, die nicht in der Stadt oder in einem eigenen Mökki (einem finnischen Sommerhaus) bleiben möchten.

Jyväskylä ist eine beliebte und lebendige Studentenstadt, die vor allem im Sommer auch mit Open Air Veranstaltungen und Aktivitäten rundum den See wohl Anwohner und Gäste begeistert. Die Stadt am nördlichen Teil des See Päijänne, der auch der längste See des Landes ist, lässt sich wunderbar mit dem Schiff oder per Boot erkunden. Bei einem entspannten Lonkero an Bord kann man das Treiben an Land beobachten, während sich das Schiff aus dem Stadtgebiet heraus Richtung der Insellandschaft bewegt.

Wieder an Land, flanieren wir durch die Hafengegend, die vor allem im Sommer für viele fast ein zweites Wohnzimmer wird. Jung und alt treffen sich zum Sonnen oder zum Essen, über einem Feierabend-Lonkero oder zu einem Spaziergang. Im Containerrestaurant Morton mit Blick auf den Hafen und den See, ist ein Burger eine großartige Idee!

Der alte Toivola-Innenhof liegt etwas abseits des Stadtzentrums, fast schon versteckt – umgeben von wunderschönen Holzhäusern aus dem 19. Jahrhundert. Die charmanten Häuser unterschiedicher Größen sind heutzutage ein beliebter Treffpunkt: hier befinden sich sowohl ein Museum als auch kleine Läden, Restaurants und das Café Valkoinen Puu. Hier ist es ein absolutes Muss, den finnischen Brita-Kuchen zu probieren, ein sommerlicher Klassiker aus diversen Teigschichten, mit saisonalen Beeren und Sahne. Besonders gut schmeckt dieser beim Verweilen auf der Innenhof-Terasse.

Eine gute halbe Stunde von Jyväskylä entfernt, auf einer malerischen Halbinsel zwischen zwei Seen, liegt die alte Kirche von Petäjävesi. Von Handwerkern aus der Region wurde sie innerhalb von nur zwei Jahren – zwischen 1763 und 1765 – gebaut. Was sie so außergewöhnlich macht: sie ist ausschließlich aus Holz gefertigt, und obwohl sie nicht die älteste Kirche der Gegend ist, ist Petäjävesi nach wie vor die ursprünglichste ihrer Art. Aufgrund dessen wurde sie bereits 1994 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

Über mehrere Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die Kirche nicht genutzt und daher auch nicht, wie zu der Zeit üblich, in roter Farbe gestrichen. Die Schreinerkunst ist bemerkenswert, die Holzkuppel und kunstvollen Details allein sind einen Ausflug wert – sie wird nach wie vor genutzt und ist vor allem im Sommer für Hochzeiten sehr beliebt. Die Museumskirche von Keuruu ein paar Orte weiter wurde im Jahr 1758 erbaut und ist damit auch für Geschichtsinteressierte ein spannendes Ziel.

Die Schaffarm von Hakamaa ist ein kleines Stückchen finnisches Landidyll – wie aus dem Bilderbuch. In der Gesellschaft von über 200 Tieren, darunter Ponys, Hühner, Hunde, Schafe und natürlich Kater Risto, der sich auch um die Abwehr von Füchsen kümmert, lernen wir alles über das finnische Landleben.

Den Hof gibt es seit über 10 Jahren, und seit Sommer 2021 wird im eigenen Restaurant auch ein Mittagessen angeboten, mit Zutaten aus dem hofeigenen Garten oder aus den Nachbargärten. Wir genießen eine cremige Pilzsuppe, einen Zucchinisalat, frisches Brot und eine Pannacotta mit Blaubeeren. Die Mission: den Gästen zu zeigen, wie das Landleben funktioniert und wo ihr Essen eigentlich herkommt.

Die Region um Jyväskylä ist lebendig und vielseitig – zu jeder Jahreszeit. Auch wenn die Natur in den vier Nationalparks der Gegend und das Leben an den Seen sicherlich ein unvergessliches Erlebnis ist, so gibt es noch viel mehr zu entdecken: so war die Stadt Jyväskylä auch das Zuhause von Finnlands berühmtesten Architekten – Alvar Aalto. Seine Arbeit findet sich mit 29 Gebäuden überall in der Stadt wieder. Diese kann man auf einer Tour in Eigenregie erkunden und im Alvar Aalto Museum abschließen (dieses wird zurzeit renoviert, Teile der Ausstellung finden sich aber währenddessen im Säynatsalo Stadthaus.

Wir verlassen Mittelfinnland mit dem festen Vorhaben, bald wiederzukommen. Vielleicht dann im Winter.

Mehr Informationen zur Region findet Ihr direkt bei Visit Jyväskylä.
Mehr Eindrücke von der Reise findet Ihr auf Kathrins Blog.

Text: Kathrin Deter
Bilder: Kathrin Deter & Kristof Minnaert