Ve Wolff

Sommer in Finnland

Wieso Finnland auch ein Sommer-Wunderland ist

Von den meisten Ländern hat man heutzutage eine recht genaue Vorstellung bevor man sie überhaupt besucht hat. Nicht anders ging es mir mit Finnland. Viel gelesen und gesehen hatte ich bereits vom finnischen Sommer, sowohl in Zeitschriften als auch online. Doch von meinen Reisen in anderen Ländern wusste ich, dass die Realität nicht immer den entstandenen Erwartungen gerecht wird. Doch bei Finnland war es anders. Denn Finnland überraschte mich, übertraf meine Erwartungen und verzauberte mich mit seinen grünen Wäldern, dunklen Seen und der bunten Farbenpracht von Blumen.

Finnland oder das Land der tausend Seen. Woher der Name kommt, ergibt sich von selbst beim Anflug. An der Küste ist der Übergang von Meer mit vielen kleinen und größeren Schäreninseln zu Land mit vielen Seen kaum sichtbar.

Und natürlich ist es naiv zu glauben, dass man in Finnland einen See als Lieblingssee bezeichnen könnte, denn wie soll man sich überhaupt bei den unzähligen Seen auch nur annähernd einen Überblick verschaffen, um überhaupt bewerten zu können, welcher nun der schönste See ist? Daher folge ich lediglich einem Gefühl und bezeichne den See Kaitalampi als meinen Lieblingssee bis ich vielleicht irgendwann eines besseren belehrt werde.

Ich sitze auf einem Felsen einige Meter oberhalb des Sees und habe einen guten Blick über die Wasserfläche. Zwischen vielen hohen Kiefern liegt der See ruhig da. Hier und da ist ein Schwimmer zu sehen, der die spiegelglatte Oberfläche mit seinen Schwimmzügen zerschneidet. In der Luft liegt das Rauschen des Windes, das Plätschern des Wassers und einige Stimmen. Es fühlt sich an wie später Nachmittag, dabei ist es längst Abend.

Am See gibt es zwei Hütten, ausgestattet mit einem gemauerten Grill und einem massiven Metallrost. Direkt daneben eine weitere Hütte in der sich Holz zum Feuer machen befindet. Einfach, funktional und perfekt für einen gemütlichen Grillabend am See. Zuerst grillen wir Würstchen. Als Dessert gibt es Bananen, die der Länge nach eingeschnitten, mit Schokolade gefüllt und dann auf den Grill gelegt werden. Wenn die Schale sich dunkel verfärbt hat und die Schokolade geschmolzen ist, sind sie fertig und dürfen verspeist werden.

Als ich auf einer Waldlichtung zwischen Blumen sitze, fühle ich mich ein wenig wie eine kleine Alice im nordischen Wunderland. Um mich herum wilde Wiesenblumen, deren Namen ich nicht kenne. Bis auf den Wind in den Baumwipfeln und Vogelstimmen ist nichts zu hören. Nach nur einer halben Stunde zwischen den Blumen fühle ich mich so entspannt wie schon lange nicht mehr. Am Rand der Lichtung steht ein kleines dunkelbraunes Holzhaus mit einer hellblauen Tür – wer würde dort nicht gerne einige ruhige Sommertage verbringen und die Seele baumeln lassen?

Ich streife weiter durch den Wald, immer der Nase nach. Mittlerweile ist es später am Abend geworden und das Sonnenlicht fällt golden durch die Bäume hindurch – der Wald scheint zu glühen. Auf dem Boden liegen kleine Kiefernzapfen. An einigen Stellen wächst dichtes Moos oder Klee. Vereinzelt leuchten gelbe Blüten zwischen dem Gras wie kleine Sterne in einem grünen Himmel hervor. So kitschig es auch klingen mag, ich bin wieder einmal überwältigt von der Schönheit des Nordens.

Nicht nur im Wald und auf Wiesen geht es in Finnland im Sommer bunt zu. Sondern auch an den Straßenrändern. Sowohl an kleinen Straßen als auch an der Autobahn tummeln sich violette, weiße und rosafarbene Lupinen am Straßenrand. Lupinen habe ich hier nicht erwartet, deswegen recherchiere ich ein wenig und finde heraus, dass die Lupinen-Pflanze auch einige Probleme mit sich bringt. Auch wenn sie am Straßenrand wunderschön aussehen, bedrohen die vielen Lupinen die einheimischen Pflanzen, weswegen die eingeschleppte Pflanze immer wieder in der Kritik steht, auch wenn sie mittlerweile ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes geworden ist.

Zum Abschluss besuchen wir einen Tag Suomenlinna, eine Festung die sich über mehrere miteinander verbundene Inseln erstreckt. Sie liegt kurz vor Helsinki und ist ein eigener Stadtteil der Hauptstadt. Mit dem Schiff erreichen wir die Insel schon nach 15 Minuten Überfahrt. Als UNESCO-Weltkulturerbe hat Suomenlinna sehr viele Besucher, doch wir haben Glück und erwischen einen vergleichsweise ruhigen Tag.

Es ist ein sonniger Tag und wir streifen gemütlich über die Insel, schauen uns die Festung an, sitzen auf den Strandfelsen und beobachten einige neugierige kleine Vögel, die ganz zutraulich sind und uns ganz nahe kommen. Später machen wir im Lelumoseo – dem Spielzeugmuseum –eine kleine Pause und essen im Café des Museums, das wie eine Puppenstube aussieht, ein Stück Kuchen. 

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