Michaela Fuchs

Hyvää Joulua!

Weihnachten im eigenen Mökki

Wenn das vorweihnachtliche Geschiebe in Deutschlands Innenstädten losgeht, man vor lauter Weihnachtfeiern und Geschenkestress nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, dann ist für mich meist die Zeit gekommen, mich nach Finnland zu verzupfen, genauer gesagt, nach Lappland. Da, wo bekanntlich der Weihnachtsmann herkommt, verbringe ich das Fest am liebsten.

„Joulu“ (Weihnachten) ist in Finnland neben „Juhannus“ (Mittsommer) das wichtigste Fest im Jahr, und ich finde, Lappland ist ein wunderbarer Ort, um es zu feiern. Inzwischen haben sich Familie und Freunde daran gewöhn, dass ich dann einfach mal weg bin. Auch wenn ich immer wieder zu hören bekomme: „Da ist es doch die ganze Zeit dunkel und nix los! Was machst du denn da?“ Das ist es ja gerade – ich mache vorzugsweise gar nichts! Ich übe mich im Nichtstun. Raus aus dem Hamsterrad, rein in die Stille. So lautet mein Plan auch für dieses Jahr. Spätestens, wenn ich am Flughafen von Kittilä den Flieger verlasse und in der winterlichen Stille über das schneebedeckte Rollfeld zur Gepäckausgabe gehe, die Weihnachtsbeleuchtung am Tower erstrahlt und Eislaternen mir den Weg weisen, spätestens dann verspüre ich einen Kloß im Hals und weiß, jetzt kann Weihnachten kommen.

Kaamos – finnische Rauhnächte

Mein „Mökki“ (Haus) liegt oberhalb des Polarkreises, sprich: dort geht die Sonne im Winter überhaupt nicht auf. Klingt für manch einen vielleicht schrecklich, ist aber gar nicht so! Wer die Polarnacht noch nie erlebt hat, wird es aber wahrscheinlich auch nie verstehen, wie es ist, wenn der Mond so hell scheint, dass die Bäume ihre Schatten auf die weiße Schneedecke werfen und man völlig ohne sonstiges Licht spazieren gehen kann. Im Finnischen nennt man diese mystische Zeit zwischen Dezember und Januar „Kaamos“. Es ist die Zeit, wenn der Himmel um die Mittagszeit im Norden blau erscheint und Richtung Süden rot erglüht. Oft wurde ich schon bezichtigt, bei entsprechenden Fotos mit Photoshop nachgeholfen zu haben. Aber mitnichten, diese einzigartige Farbenpracht wird nur noch von den Nordlichtern getoppt.

Klar gibt es auch in Finnland für mich vor dem Fest noch so einiges zu erledigen, denn ich liebe Weihachten mit allem Drum und Dran! Baum, Plätzchen, Weihnachtslieder und das alles am liebsten noch im Schnee! Und den gibt es hier oben im hohen Norden reichlich. Winterwonderland im Reinformat!


Die Suche nach dem geeigneten Weihnachtsbaum

Aber bis es so weit ist, mache ich mich erst einmal auf die Suche nach einem geeigneten Weihnachtsbaum, und das ist oft gar nicht so einfach. Während man in deutschen Wohnzimmern fast nur noch Nordmanntannen sieht, bleibt der Finne seiner heimatlichen Fichte treu! Und die kommt im besten Fall aus dem eigenen Wald. Auch ich begebe mich jedes Jahr aufs Neue mit Säge und Axt bewaffnet auf die Suche nach dem geeigneten „Joulupuu“, wie der Weihnachtsbaum in Finnland heißt. Manchmal halte ich im Sommer schon Ausschau und markiere ihn, denn je nachdem, wie viel Schnee liegt, kann man den Wuchs des Baumes unter den dicken Schneehauben oft nur erahnen. Und wenn man Pech hat und es sind um die 20 Grad minus, dann kann man den Schnee nicht einmal mehr vom Baum schütteln, um zu gucken, denn dann brechen die Nadeln wie Glas. So kommt es, dass man oft erst im Wohnzimmer sieht, nachdem der Baum vollends abgetaut ist, was man da so geschlagen hat. Aber egal, sobald die Kerzen brennen, ist jeder Weihnachtsbaum schön!


Der Weihnachtstisch soll sich unter den Leckereien biegen

Die finnische Hausfrau beginnt schon im Herbst mit diversen Weihnachtsvorbereitungen, denn ein Großteil der weihnachtlichen Leckereien lassen sich gut vorbereiten und prima einfrieren. Das kann ich natürlich nicht, bei mir gibt es deshalb eine etwas abgespeckte Variante der Weihnachtstafel. Dabei versuche ich trotzdem, das erklärte Ziel des „joulupöytä“ zu erreichen: Dass sich der Tisch unter der Last der vielen guten Speisen biegt. Wer schon einmal mit einer skandinavischen Fähre gefahren ist, kann sich das vielleicht vorstellen: Ungefähr so wie das große Buffet auf diesen Schiffen soll es aussehen. In puncto Weihnachtsessen is(s)t man in Finnland sehr traditionell. So finden sich auf der Weihnachtstafel zum Beispiel Fisch in den verschiedensten Variationen, etwa marinierte Heringe, Heringssalat und Lachs, warmgeräuchert oder gepökelt.

Der unbestrittene kulinarische Höhepunkt auf der Festtafel ist jedoch der Weihnachtsschinken, der sich zu dieser Jahreszeit in allen Supermärkten türmt. Im Schnitt werden an Weihnachten in Finnland jährlich an die 600.000 Schinken verspeist. Traditionell wird er bereits am Tag vor Heiligabend vorbereitet und dann vor dem Braten mit einer würzigen Semmelbrösel-Senf-Mischung bestrichen. Dazu reicht man Steckrüben-, Karotten- oder Kartoffelauflauf. Wenn dann noch ein Dessert reinpasst, dann gibt es gerne eine Quarkspeise mit Trockenpflaumen. Oft bleibt von diesem üppigen Buffet eine Menge übrig, sodass man sich durch die ganzen Feiertage futtern kann, ohne noch einmal am Herd stehen zu müssen. Wunderbar!

Meine Weihnachtstafel ist meist eine Mischung aus typisch finnischen und deutschen Weihnachtsgerichten. Die Entscheidung, ob es Weihnachtsschinken oder eine Gans geben wird, erübrigt sich oft ganz von alleine. Entweder im örtlichen Supermarkt gibt es eine gefrorene Gans – oder auch nicht. Ich bin mit beidem glücklich. Obwohl, noch glücklicher bin ich, wenn ich von meiner finnischen Freundin selbsterlegtes Elchfleisch bekomme.

Einfach mal ich sein

Während der Vorbereitungen bleibt genug Zeit für das, was ich am liebsten tue: Auf dem Sofa liegen und endlich mal all die Bücher lesen, die sich auf meinem Nachttisch übers Jahr so angesammelt haben. Das Feuer knistert im Kamin und das Einzige, worüber ich mir Gedanken machen muss, ist, ob ich als Nächstes die Sauna einheizen soll oder doch lieber das blaue Dämmerlicht um die Mittagszeit für einen kleinen Langlauf-Ausflug nutze. Oder gleich beides?

Heilligabend

Steht der Heiligabend endlich vor der Tür, halte ich es für gewöhnlich wie die Finnen und lasse den Morgen des 24. ruhig angehen. Erst einmal den Holzofen anheizen, Kaffee aufsetzen und, nicht zu vergessen, den traditionellen Weihnachts-Milchreis kochen! Ganz wichtig ist, eine Mandel darin zu verstecken, denn wer sie in seiner Schüssel findet, dem weicht das Glück im nächsten Jahr nicht von der Seite.

Geruhsam geht der Tag weiter. Undenkbar, dass man sich mittags am 24. Dezember an der Fischtheke die Füße platt steht. Nein, am 24. versinkt Finnland um Punkt 12 Uhr, wenn vom Balkon des Doms im südfinnischen Turku der Weihnachtsfrieden verlesen wird, in feierlicher Stille. Spätestens dann ist der Weihnachtsbaum geschmückt, alle Einkäufe erledigt und selbst der öffentliche Verkehr steht dann still.

Für mich bedeutet das, dass ich mit den Hunden rausgehe und noch einige Meisenknödel für die Vögel anbringe, denn auch ihnen soll es zu Weihnachten gut gehen. Und manchmal überkommt es mich und ich stelle auch ein Schüsselchen vom morgendlichen Milchreis in den ehemaligen Stall. Warum? Um die „Tonttu“ (Wichtel) bei Laune zu halten, schließlich haben sie noch viel für den „Joulupukki“ (Weihnachtsmann) zu erledigen. Nein, eigentlich glaube ich nicht mehr an den Weihnachtsmann, aber was soll ich sagen, immer wenn ich ein Schüsselchen rausgestellt habe, war es danach leer. Wer auch immer es gegessen hat, es scheint geschmeckt zu haben, und wenn nicht hier, wo sonst soll man an den Weihnachtsmann glauben?

Und spätestens, wenn ich den Holzofen in der Sauna angeheizt habe und darauf warte, dass sie heiß wird, und mich mit einer Tasse Glögi und einem ofenwarmen „Joulutorttu“ (Rezept s. u.) auf dem Sofa niederlasse, habe ich den den ganzen Alltagsstress in Deutschland hinter mir gelassen und freue mich, dass ich Weihnachten in Finnland erleben darf. In diesem Sinne – ein schönes Weihnachtsfest! „Hyvää Joulua!“


Rezept für Joulutorttu  (Weihnachtssterne aus Blätterteig)

Zutaten: 1 Pk Blätterteig, 1 Glas Pflaumenmus

Zubereitung: Den Ofen auf 225 Grad vorheizen. Die Blätterteigplatten in Quadrate teilen und dann jeweils in jeder Ecke diagonal einschneiden. Jedoch nicht ganz bis zur Mitte, denn dort soll ja das Pflaumenmus noch Platz haben. Nun jede zweite Ecke zur Mitte hin einschlagen, damit ein Stern entsteht. Das Pflaumenmus kann man noch etwas mit Zimt oder Lebkuchengewürz pimpen. Einen etwa Teelöffel-großen Klecks in die Mitte des Sterns setzen und ab damit in den Ofen. Die Weihnachtssterne nun etwa 12-15 Minuten backen, bis sie goldbraun sind. Kurz vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.

Weitere finnische Weihnachts-Rezepte findet Ihr auf meinem Blog www.mahtava.de und in meinem E-Kochbuch „Meine finnischen Weihnachten“.

Tipps vom Dein Finnland Team

Wenn Ihr noch mehr über Weihnachten im hohen Norden erfahren wollt oder wie man in Finnland Weihnachten mit der Familie feiert hat Visit Finland die richtigen Antworten parat.  

Wer zu Weihnachten dazu gehört? Der Weihnachtsmann! Richtig. Hier findet Ihr alles über ihn.