Karen MacKenna

Finnland erstrahlt in weihnachtlichem Glanz

Weihnachtsmärkte im finnischen Archipel

Die Winterzeit ist eine magische Zeit, um nach Finnland zu reisen und die traditionellen Weihnachtsmärkte des finnischen Archipels verleihen dieser Zeit des Jahres einen besonders festlichen Glanz.

Finnen lieben es, Weihnachten und alles, was dazugehört, ausgiebig zu zelebrieren. Schon in der Adventszeit, beginnend mit pikkujoulu oder „Klein Weihnachten“, ist die Stimmung ausgelassen. Weihnachtsmärkte werden immer geschäftiger, erstrahlen abends in hellem Glanz und bieten unzählige, einzigartige Geschenke sowie köstliche Leckereien an. Außerdem gibt es natürlich heißen glögi (finnischer Glühwein), um der kalten Luft während des Marktbummels die Stirn zu bieten.

Erlebt doch selbst einmal die tolle Weihnachtsstimmung im Archipel und ersteht auf den vielen verschiedenen Märkten echte, qualitative Handwerksarbeiten, finnisches Design und essbare saisonale Freuden.

Helsinkis Wärme trotzt der Kälte

Die finnische Hauptstadt ist dafür ein guter Anfang. Helsinki liegt im Süden von Finnland und ist auf drei Seiten von der Ostsee umgeben. Die kleine aber pulsierende Hafenstadt, die im 16. Jahrhundert von den Schweden gegründet und ursprünglich Helsingfors getauft wurde, ist ein wundervoller Ort und immer einen Besuch wert – besonders aber in der Weihnachtszeit.

Während der kalten Wintermonate steigt Nebel vom eisigen Meer auf und legt sich fast gespenstisch um die Halbinsel. Der Geist der Weihnacht aber ist lebendig und trotz der schwindenden Sonne und der fallenden Temperaturen herrscht eine fröhliche, ausgelassene Stimmung in den Straßen der Stadt.

Unzählige Lichterketten schweben über Aleksanterinkatu, Helsinkis offizieller Weihnachtsstraße; eine schöne Tradition, die schon 1949 als ein Zeichen der Hoffnung nach den dunklen Kriegs- und Nachkriegsjahren eingeführt wurde. In den Fenstern der umliegenden Geschäfte und Cafés flackern Kerzen und verleihen der Stadt ein leuchtendes Antlitz. Eine weiße Schneedecke lässt die Atmosphäre noch gemütlicher erscheinen. Objektiv betrachtet mag es zwar kalt sein, subjektiv aber strahlt Helsinki während der Weihnachtszeit ganz viel Wärme aus.

Ein Weihnachtsmarkt vor toller Kulisse

Der St. Thomas Weihnachtsmarkt auf dem Senatsplatz ist der älteste und beliebteste Weihnachtsmarkt in Helsinki. Der historische Stadtkern ist das ganze Jahr über Anziehungspunkt zahlreicher Veranstaltungen und Festivitäten. Berühmt ist er vor allem wegen des wunderschönen weißen Doms, der über dem Senatsplatz wacht. Der Dom wurde im 19. Jahrhundert von Carl Ludwig Engel entworfen und im Jahr 1852 fertiggestellt. Er ist eines der ältesten Gebäude Helsinkis und ein beeindruckendes Beispiel neoklassizistischer Architektur.

Jedes Jahr am 13. Dezember schreitet die frisch gekrönte St. Lucia, eine ganz in Weiß gekleidete junge Frau, die Stufen des Doms hinunter. Die Tradition geht auf die christliche Märtyrerin des 4. Jahrhunderts aus Italien zurück und ist heutzutage für viele Finnen ein wichtiges symbolisches Ereignis der Vorweihnachtszeit, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, sollte man hier sein.

Mehr als 100 Holzbuden bieten dem Besucher des St. Thomas Weihnachtsmarkts ein tolles Potpourri an wunderschönen handgemachten Geschenken und Weihnachtsschmuck sowie regionalen Produkten wie Fisch, Fleisch oder anderen Lebensmitteln. Der Weihnachtsmann schaut übrigens täglich vorbei und altmodische Karusselle drehen in der Mitte des Platzes beständig ihre Runden, erfreuen Kinder mit kostenlosen Fahrten und versprühen dabei eine Menge nostalgischen Charme.

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Ein Weihnachtsmarkt im Herzen der Stadt

Der Helsingen Joulumaalima oder einfach „Helsinkier Weihnachtsmarkt“ befindet sich gegenüber dem berühmten Kaufhaus Stockmann auf dem Boulevard Mannerheimintie, am nördlichen Ende des Esplanadi Parks. Der Weihnachtsmarkt ist erst wenige Jahre alt, steht dem St. Thomas Weihnachtsmarkt in Größe und Betriebsamkeit aber in nichts nach. Aufgrund seiner zentralen Lage im Herzen der Stadt ist der Weihnachtsmarkt ein beliebter Treffpunkt, um nach der Arbeit noch ein wenig Weihnachtsstimmung mit Kollegen und Freunden zu genießen.

Eine Ansammlung kleiner roter Holzhütten verkauft alles von leckerer Preiselbeermarmelade bis hin zu kuscheligen Wollpullovern. Es gibt eine Krippe, Weihnachtsmusik, ein Karussell und genügend zu essen und zu trinken. Der Weihnachtsmarkt eröffnet drei Wochen vor Weihnachten und öffnet ab dem 27. Dezember zudem noch einmal für zehn Tage, um das Neue Jahr einzuläuten und zu feiern.

Und wenn Ihr schon in der Gegend seid, dann verpasst auf keinen Fall das wunderschöne Weihnachtsschaufenster von Stockmann, vor dem sich besonders Kinder jedes Jahr ausgiebig die Nasen plattdrücken.

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Der weiblichste Weihnachtsmarkt Helsinkis

Bereits seit 1922 treffen sich Frauen zum Naisten Joulumessut Wanhassa Satamassa, dem Frauen-Weihnachtsmarkt. Die Idee hierzu geht auf die finnische Feminismus-Bewegung zurück. Der erste Frauen-Weihnachtsmarkt fand in Gösta Stenmans Kunstsalon auf dem Boulevard Mannerheimentie statt. Frauen stellten ihr selbst produziertes Handwerk aus und hatten so die Möglichkeit, eigenes Geld zu verdienen.

Heutzutage ist der Weihnachtsmarkt im schönen Stadtteil Katajanokka beheimatet, einer kleinen Halbinsel nordöstlich des Hafens. Frauen aus ganz Finnland versammeln sich, um ihre handgemachten Produkte von Textilien bis Holzarbeiten zu verkaufen. Im Laufe der vielen Jahre entwickelte sich der Weihnachtsmarkt stets weiter und spiegelte dabei immer auch die sich verändernde Gesellschaft wider. Seit 1978 wird er von der „Women’s Cultural Association“ veranstaltet, die beispielsweise kulturelle Veranstaltungen von Immigrantinnen unterstützt.

Einen Teil des Weihnachtsmarkts bilden die Kunststände älterer Frauen. Damit ist sichergestellt, dass der Markt auch heute mit seiner Vergangenheit und ursprünglichen Tradition verbunden bleibt. Außerdem gibt es einen kulinarischen Bereich, in dem typische finnische Delikatessen verkauft werden.

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365 Tage Markt

Während der Weihnachtszeit gibt es auf dem Helsinkier Marktplatz keinen Weihnachtsmarkt im traditionellen Sinn. Der Markt hier ist das ganze Jahr über geöffnet und man findet immer auch Handarbeiten und lokale Lebensmittel, die sich ideal als Weihnachtsgeschenk eignen. Selbst an den kältesten Tagen gibt es ein Kaffeezelt, das dem Wind trotzt und das heiße Getränke und köstliches Gebäck verkauft.

Weihnachtliche Veranstaltungen in Helsinki

Winterwunderstadt Porvoo

Das kleine, mittelalterliche Porvoo liegt etwa eine halbe Stunde von Helsinki entfernt und ist das ganze Jahr über wirklich malerisch. Zur Weihnachtszeit aber ist die Altstadt von Porvoo besonders bezaubernd und ein Besuch fühlt sich wie eine kleine Zeitreise an.

Wunderbar erhaltene, kunterbunte Holzhäuser und Fischerhütten schmeißen sich zu diesem Anlass in weihnachtliche Schale und die Pflasterstraßen biegen sich nur so vor stimmungsvoller Weihnachtsbeleuchtung. Fällt dann auch noch Schnee, ist Porvoo ein wahres Winterwunderland. Altmodische Tretschlitten, potkukelkkas, sind immer noch ein gern genutztes Transportmittel – so wie vielerorts im ganzen Land. Die Einwohner erfreuen sich der Jahreszeit und fahren auf dem zugefrorenen Fluss Ski, bummeln durch die winterliche Stadt und kehren mit Freunden in hübschen Cafés ein.

Die Weihnachtszeit wird am 26. November offiziell mit einer großen Zeremonie am Alten Marktplatz eröffnet. In den anschließenden Wochen bis Weihnachten finden zahlreiche weitere Festivitäten statt. Da mehr und mehr Künstler und Kunsthandwerker hier in Porvoo eine Heimat finden, ist sind regionale und authentische Geschenke dabei schnell gefunden.

Der traditionelle Weihnachtsmarkt findet auf dem Alten Rathausplatz statt. Aussteller tragen altertümliche Kleidung und verkaufen regionales Handwerk und lokale Produkte. Der Weihnachtsmarkt in der Kunstfabrik hingegen ist für alle Liebhaber modernen Designs genau das Richtige!

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Weihnachtserlebnis auf den Pellinki-Inseln

Wer ein einzigartiges Weihnachtserlebnis sucht, der fährt am besten ins nahegelegene Pellinki-Archipel (schwedisch: Pellinge) und besucht Saaristojoulu oder „Weihnachten im Archipel“. An nur einem einzigen Tag, in diesem Jahr am 18. Dezember, findet Ihr hier zwei Weihnachtsmärkte und einen Tannenbaumverkauf.

Tove Jansson, Finnlands beliebteste Kinderbuchautorin und Erfinderin der Mumin-Figuren, verbrachte im Pellinki-Archipel viele Sommermonate und ließ sich von der umliegenden Natur inspirieren. Ganzjährig leben hier rund 300 Dorfeinwohner, die meisten von ihnen sprechen schwedisch. Von Porvoo aus ist man in südlicher Richtung (Route 1552) in gut 40 Minuten am Ziel. Die Fährüberfahrt von Tirmo auf die Hauptinsel ist dabei kostenlos.

In Euren Koffer mag zwar vielleicht keine ganze Tanne passen, es lohnt sich aber trotzdem dem Sundö-Bauernhof einen Besuch abzustatten. Hier kaufen Einheimische ihre Weihnachtsbäume, selbstgestrickte Wollwaren und entspannen gemeinsam vor dem knisternden Kaminfeuer mit guter Musik, gegrillten Würstchen und glogi.

Der Skärgårdshemmet-Weihnachtsmarkt ist ein Indoor-Markt im Zentrum der Nyckelvikebntie 5. Der andere Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz in Pellinki findet unter freiem Himmel und umgeben von Meer statt. Warm einpacken lohnt sich also! Man kann auf beiden Märkten Handwerk, Leckereien und Hochprozentiges finden. Barzahlung wird bevorzugt.

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Weihnachtsmarkt an der Küste in Tammisaari

In Finnlands südlichstem Archipel, etwa mittig zwischen Helsinki und Turku, liegt Tammisaari – oder wie man auf schwedisch sagt: Ekenas. Die zweisprachige Stadt mit mehrheitlich schwedisch sprechender Bevölkerung datiert bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der schwedische König Gustav Vasa gründete das Fischerdorf Tammisaari im Jahr 1546. Inzwischen ist die Stadt eine Art Knotenpunkt der umliegenden Region.

Die urige Altstadt liegt direkt am Meer. Ihre mit Holzhäusern gesäumten, gepflasterten Gassen winden sich kleine Hügel hinauf und hinab, immer am Wasser entlang. Die Straßenschilder erzählen kleine Geschichten aus der Vergangenheit mit Namen wie Handsmakaregatan (Tuchweberstraße) oder Bastugatan (Saunastraße). Außerdem gibt es viele Museen, Galerien und malerische Cafés in Tammisaari, die an alte Zeiten erinnern. Tammisaari ist übrigens die Heimat der Kungsgatan, Finnlands ältester Fußgängerzone.

Während der Sommermonate herrscht jedes Wochenende auf dem Lebensmittel- und Antiquitätenmarkt am Alten Marktplatz reges Treiben. Das gleiche gilt für den Weihnachtsmarkt, der am 10. und 11. Dezember an gleicher Stelle veranstaltet wird. Schöne handgemachte Waren und köstliches traditionelles Weihnachtsessen sind in Hülle und Fülle vorhanden. Einheimische treffen sich auf einen Kaffee mit Freunden und Familie, während sie ihre Körbe mit Weihnachtsgeschenken und festlichen Leckereien füllen. Der schöne Platz ist mit kleinen Geschäften und Cafés umgeben, die sich speziell für die Weihnachtszeit herausgeputzt haben und so das atmosphärische Gefühl des quirligen Marktes unterstreichen.

Es gibt keine eigene Webseite für den Weihnachtsmarkt in Tammisaari. Ihr könnt Euch aber unter www.ekenascentrum.fi oder +358 40 504 8090 informieren.

Ganz viel Weihnachtsfrieden in Turku

Finnlands älteste und drittgrößte Stadt, Turku, ist eine zweistündige Zugfahrt von Helsinki entfernt und liegt an der Südwestküste in einer dicht besiedelten und wunderschönen Region des finnischen Archipels. Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert an der Mündung des malerischen Fluss Aura angesiedelt und beginnt die Weihnachtszeit seit ihrer Gründung mit einer traditionellen Erklärung zum Weihnachtsfrieden, die unter dem Strich für ein harmonisches und würdevolles Weihnachtsfest einsteht. Die Menschen in Turku nehmen diese Tradition wirklich zu Herzen und verwandeln ihre Stadt in eine wahre Weihnachtsstadt.

Eine riesige Fichte wird jedes Jahr vor dem mittelalterlichen Dom mit unzähligen Lichtern bestückt und Turkus offizielle Weihnachtsstraße, Ylioistonkatu, wird mit Girlanden und Lichterketten geschmückt. Die größten Weihnachtsmärkte der Stadt laden an zwei Standorten an den Dezemberwochenenden zum Bummeln und Stöbern ein. Der Weihnachtsmarkt auf dem Platz am Dom ist besonders familienfreundlich. Es gibt dort Essen, Konzerte, Weihnachtsfiguren und eine Menge ausgelassene Stimmung. Der Weihnachtsmarkt am Marktplatz ist eine kleinere, intimere Veranstaltung. Hier kaufen die Einheimischen ein und die Chance ist größer, raffiniertere Produkte zu finden.

Beide Orte versprühen auf jeden Fall jenen wohlwollenden Weihnachtsfrieden, den sich die Menschen in Turku seit Jahrhunderten auf die Fahnen schreiben.

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