Eine Sommerwanderung auf den Åland Inseln

Unterwegs auf dem St. Olav Waterway

Die Fähre legt ab und tuckert langsam auf das offene Meer zu, und sobald wir uns aus der Sichtweite des Hafens bewegt haben, merke ich, wie der Wind stärker wird und die See etwas wilder. Es ist strahlend blauer Himmel und keine Wolke zu sehen, und wir sind auf dem Weg zu den Åland Inseln, nach Kökar. Die Insel inmitten des baltischen Meers und etwa 2,5 Stunden mit dem Schiff von Galtby entfernt, der äußerste Punkt des finnischen Archipels.

Wir sind hier, um ein paar Tage den St. Olav Pilgerweg zu wandern, dessen erste Etappe ich bereits im vergangenen Herbst gewandert bin. Der ganze Weg führt von der ehemaligen finnischen Hauptstadt Turku bis ins norwegische Trondheim. Der Teil über Åland ist angeblich der schönste Teil – und wir sind hier, um uns genau davon zu überzeugen.

Auf dem Schiff setzt gleich das Freiheitsgefühl ein. Der Wind bläst uns um die Ohren, so dass wir nach einer Zeit an Deck doch in den Innenraum der Fähre wechseln, schließlich dauert die Fahrt noch ein Weilchen. An Bord gibt es bitteren Kaffee und Eis, aber beides ist genau richtig für diesen Moment. Ich bin seit früh morgens unterwegs, ab Helsinki kommt man mit dem Zug nach Turku und von dort mit dem Archipelago-Bus zum Hafen in Galtby.

Die Reise dauert eine Weile, jedoch verging die Zeit wie im Flug, denn vor allem die Busfahrt ist so wunderschön und idyllisch, dass man kaum merkt, wie lange man schon unterwegs ist. Der Weg ist hier das Ziel. Meine Freundin Eva, die mir mir reist, ist in den Tagen vor unserem Treffen bereits den finnischen Teil der Strecke gewandert, ab Galtby setzen wir unsere Pilgerreise gemeinsam fort.

Wir nähern uns Kökar, zunächst sehen wir rauen Fels entlang der kargen Küste, die See ist unruhig, trotz des schönen Wetters. Wir sind hier wirklich mitten drin und umgeben vom offenen Meer. Wir legen an und machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft für die nächsten 2 Tage: das Sandvik Resort liegt nur etwa 4 km und noch ein Stück weiter nördlich auf Kökar.

Ein “Resort” in Finnland wird oft missverstanden, während bei vielen vielleicht gleich der Eindruck einer Luxushotels entsteht, ist ein Resort hier vielmehr ein Campingplatz mit eigenen Sommerhütten und Gästehafen. Wir haben eine kleine Hütte mit Meerblick, das Bad und die Küche teilen wir uns mit den anderen Gästen.

Nachdem wir uns eingerichtet haben, gönnen wir uns ein Abendessen auf der Terrasse des kleinen Cafés – uns wird das “Fish & Chips” Gericht empfohlen und wir werden positiv überrascht – und sind begeistert von der Bärlauchsoße, auf die der Koch besonders stolz ist. Bärlauch wächst nämlich nur auf den Åland Inseln, aber nicht auf dem schwedischen oder finnischen Festland.

Wir schlafen gut und wachen ausgeruht auf. Noch ein wenig schlaftrunken halten wir es für eine gute Idee, den Tag damit zu beginnen, ein paar Züge zu schwimmen – sobald wir allerdings die Füße ins kalte Wasser halten, sind wir uns nicht mehr so sicher, ob die Idee so clever war. Aber wir wagen es dennoch, wenn auch nur für eine knappe Minute, danach sind wir definitiv wach. Das Frühstück auf der Terrasse von Sandvik schließt den Morgen perfekt ab.

Es ist die heißeste Woche des Sommers, mit 25°C Ende Juni sehr ungewöhnlich für Finnland, und eher suboptimal für längere Wanderungen – deshalb haben wir uns dazu entschieden, kürzere Strecken zu erkunden, um die Nachmittagshitze zu umgehen. Heute haben wir uns Fahrräder geliehen, um das Beste aus der kurzen Zeit zu machen, die wir auf Kökar haben. Wir radeln zu einem der schönsten Pfade auf Kökar, etwas abseits unserer eigentlichen Route, aber das macht nichts.

Der Kalen Pfad führt uns durch das Dickicht des Waldes, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es ist wirklich sehr warm. Es geht Felsen rauf und wieder runter, der Pfad ist teilweise etwas schwer auszumachen, aufgrund dieses außergewöhnlich warmen und feuchten Wetters ist die Natur schlichtweg explodiert. Besonders freut es mich, dass wir die ersten reifen Blaubeeren finden.

Wir nähern uns der Küste, machen eine Pause auf den warmen Felsen und beobachten die Segelboote weit draußen. Wer unberührte Natur und das Meer liebt, für den sollte Kökar weit oben auf der Liste stehen. Selbst in der Hochsaison sind hier wenig Leute unterwegs, was es so ruhig und besonders macht, und so sitzen wir hier und blicken aufs Meer, was sanft und doch kraftvoll zugleich um die Felsen rauscht. Wir genießen den Moment und machen uns wieder auf den Weg, denn diese 8 km sind nur der erste Teil unseres Tagesplans.

Ich bin doch etwas erschöpfter als ich gedacht hatte, die Höhenunterschiede bei diesen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit machen sich doch bemerkbar. Wir erreichen die Fahrräder und radeln zurück zu dem Hafen, in dem wir gestern ankamen, und gehen an Bord der Fähre Richtung Sottunga.

Die Insel Sottunga ist die kleinste Gemeinde der Åland Inseln, und der St. Olav Weg führt hier gute 9 km um die Insel herum. Wir stärken uns jedoch zunächst im Restaurant Salteriet, was pünktlich zu unserer Ankunft öffnet, wir bestellen das empfohlene Schnitzel und den berühmten Åland Pfannkuchen aus Milchreis mit Kardamon. Auf dem Weg in das Dorfzentrum holen wir uns unseren ersten Pilgerstempel in der Kirche ab.

Was mir auf Sottunga sofort auffällt: es riecht nach Walderdbeeren. Auf Kökar haben wir schon Dutzende davon genascht, gleich neben unserer Hütte war quasi ein ganzes Feld, aber was wir hier auf Sottunga finden, werde ich nie vergessen – und das nur am Straßenrand. So unglaublich viele, Walderdbeeren, die die ganze Insel in einen sanften Duft hüllen – und selbst Wochen nach der Reise wird mir dieser Geruch am meisten in Erinnerung bleiben.

Der folgende Teil des Pilgerweges ist außerordentlich gut markiert, passend in der dunkelroten Farbe des St. Olav Weges, so finden wir uns gut und einfach zurecht. Weiter führt uns der Weg durch den tiefen Wald, über offene, felsige Lichtungen, auf denen besonders viele Flechten wachsen und wo sich für den Herbst schon die Preiselbeeren ankündigen.

Auf dem höchsten Punkt auf der Ostseite der Insel angekommen, raubt uns der Ausblick fast den Atem: wir stehen hoch oben, mit einem Blick auf das endlose Meer vor uns, gespickt mit Inseln, kleinen Booten – alles umrahmt vom satten Grün des Fichtenwaldes. Dieser Moment war für uns beide sicherlich der schönste der Reise und macht Sottunga damit zu meinem Lieblingsteil des St. Olav Weges!

Insgesamt wandern wir etwa 9 km um Sottunga herum, es ist wirklich sehr heiß, und wir sind froh, als wir wieder am Hafen ankommen und auf die Fähre zurück nach Kökar steigen. Dort angekommen holen wir uns mit den Rädern in der lokalen Kirche noch den nächsten Stempel ab, bevor wir uns in unserem Resort einen entspannten Abend gönnen: im Café gibt es frische Erdbeeren und hausgemachte Munkki – wie könnte es besser sein.

Am nächsten Morgen geht es mit der Fähre Richtung Långnäs, von wo aus wir zu Amalia’s wandern, wo wir unsere letzte Nacht verbringen werden. Zunächst laufen wir eine ganze Weile durch den Wald, der Weg ist breit, es ist angenehm kühl und ruhig. Die letzten Kilometer führen uns zwar direkt an der Straße entlang, was in der Hitze unangenehm und anstrengend ist, aber wir schaffen es pünktlich an unser Ziel und lassen den Abend im Garten des B&B bei hausgemachter Limonade ausklingen.

Der letzte Morgen ist schon unser Abreisetag – diese kleine Wanderreise war definitiv zu kurz und auf dem Weg in die Hauptstadt Mariehamn machen wir beide bereits Pläne für das nächste Mal. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der lokalen Open Water Brauerei ist es bereits Zeit für die Rückfahrt.

Die Fährfahrt von Mariehamn nach Turku ist absolut wunderschön, und besonders freue ich mich darüber, Kobba Klintar noch einmal zu sehen – der Leuchtturm vor der Hauptstadt – und so verabschieden wir uns von Åland. Jeder, der Natur liebt und einen entspannten, ruhigen Trip möchte, ist hier absolut richtig – selbst, wenn man nur wenig Zeit hat. Vor allem die Inseln Kökar und Sottunga haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ab Helsinki und Turku erreicht man Åland mit der Fähre (zum Beispiel Tallink Silja), in die Hauptstadt Mariehamn kann man ab Helsinki auch fliegen. Nicht nur für Aktivreisende ist Åland das richtige Ziel, man kann auch bequem mit dem Auto oder per Bus reisen, neben den Campingresorts gibt es auch von Luxusvillen bis zu gemütlichen Hotels Unterkünfte für jeden Anspruch.

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Text und Bilder von Kathrin Deter