Die Inseln vor Helsinkis Küste

Kathrin Deter

Ein Stück Natur direkt vor der Ostseemetropole

Die Inseln vor der Küste sind ein einzigartiges Stück Natur direkt vor der Nase der Hauptstadtbewohner. Mit über 300 Inseln bieten sich hier nicht nur ein atemberaubender Anblick, sondern auch zahllose spannende Ausflugsziele an. Helsinki ist als Halbinsel umgeben von Wasser und hat mit den seeartigen Buchten, Töölönlahti und Eläintarhanlahti, sogar ein Herz aus Meer. Unsere Havis Amanda ist nicht umsonst das Symbol der Stadt: genauso wie Helsinki ist sie eine Meerjungfrau, dem Meer entsprungen und betört nun die Finnen und Besucher mit ihrer Schönheit. Familienbesuch hat sich angekündigt und so erkunden wir in den nächsten Tagen genau das, was Helsinki so ausmacht: Hauptstadt und unberührte Natur gehen hier Hand in Hand. 

Vallisaari und Lonna

Gerade im Sommer ist das Archipel ein leicht erreichbarer Fluchtpunkt vor zu vielen Menschen, Stadtlärm (wobei sich dieser ja vergleichbar durchaus in Grenzen hält) und ideal, um die Seele baumeln zu lassen. Bepackt mit Sonnencreme und Mückenschutz sowie meinem Marjanpoimuri – einer Art Beerensammelhilfe, geht es heute los Richtung Vallisaari. Vallisaari ist erst seit wenigen Monaten der Öffentlichkeit zugänglich. Die Insel liegt quasi direkt hinter Suomenlinna, wohl dem berühmtesten Teil Helsinkis, der zwar auch von Besuchern und Einwohnern geschätzt wird, im Sommer aber oft etwas überlaufen ist.

Vom Marktplatz bringt uns das Ausflugsboot in gut 20 Minuten hinüber nach Vallisaari. Gleich nach dem Ausstieg bewundern wir den Ausblick auf Helsinki, doch später wird dieser nochmals besser. Mit Vallisaari wurde uns ein Stück finnischer Geschichte zurückgegeben, die wir entdecken können, während wir am Waldrand wilde Himbeeren pflücken und kleine Teiche bestaunen. Vallisaari wurde im Zuge des Baus der Festungsanlage Suomenlinna ab 1748 mitbebaut, ist aber nicht offizieller Teil davon.

Sowohl auf Vallisaari als auch auf der damit verbundenen Insel Kuninkaansaari wurden im Laufe der Jahre bis 1870 die Kasematten und die beeindruckende Alexanders Batterie erbaut, die bis heute stolz dort stehen. Folgt man den Schildern des “Alexanders Rundgangs”, gelangt man gleich dort hin. Oben angekommen präsentiert sich ein unvergleichliches Panorama: der Blick aufs offene Meer, die zahlreichen Inseln. Wir beobachten kleine Segelschiffe sowie die riesigen Fähren, die in der Weite verschwinden; wir bekommen eine Sicht auf Helsinki – wir sehen den weißen Dom, der das Stadtbild dominiert, sowie den Linnanmäki Park und Suvilahti am äußeren Ende der Stadt. Ich kann mich hier wirklich nicht satt sehen, und vergesse für einen Moment alle Probleme und etwaigen Alltagssorgen und genieße einfach nur meine Stadt und die sanfte Meeresbrise.

Die Kasematten und Bunker, die sich über die Inseln verteilt finden, wären eine durchaus beeindruckende Kulisse für einen Horrorfilm oder eine Halloweenparty – letzteres wird leider schwierig – die Boote fahren die Insel nur bis Mitte September an. Bis 1996 war die Insel noch bewohnt, danach war das Militär noch immer dort stationiert, und fleißige Soldaten haben Tannenzapfen gesammelt und den vorbeifahrenden Booten zugewunken. Seit Mai kann man nun auf Vallisaari Waffeln essen gehen und an dem kleinen Sandstrand baden und picknicken. Wir finden ebenso wilde Johannisbeeren und die ersten kleinen Blaubeeren am Waldrand. Die beiden Inseln sind wohl die einzigen Naturgebiete in der Gegend, die man nicht frei bewandern darf, da noch Überreste aus Militärzeiten vermutet werden. Das macht unseren Plan des Beerensammelns nicht unbedingt einfacher!

Wir haben auf dem Markt eingekauft und suchen nun eine nette Ecke für unser Mittagessen: es gibt frisches Brot, gebeizten Lachs, Käse aus der Markthalle, dazu natürlich unsere Himbeeren und Blaubeeren, die wir unterwegs gesammelt haben. Auf Kunkikaansaari entdecken wir einen kleinen Strand – wir machen es uns auf den Felsen am Rand gemütlich und legen uns in die Sonne. Es ist sehr windig, so hört man außer dem Rauschen des Windes kaum noch Nebengeräusche. Nach unserem Festmahl und einem Nickerchen im Schatten spazieren wir gemütlich wieder Richtung Landungssteg.Lonna.JPGAuf dem Rückweg macht unser Boot auch auf Lonna halt. Die Insel ist wohl die kleinste in der Gegend, es findet sich gerade mal Platz für ein Restaurant und – sonst nicht so viel. Dennoch ist der Ausblick auf die Stadt grandios und der perfekte Picknickplatz für den Sonnenuntergang. Auch Lonna war Teil der Armeegebiete und ist erst seit 2014 für Besucher offen. Mit einem Durchmesser von ca. 100 m kann man Lonna sowohl schnell umrunden als auch überqueren. Im Sommer finden hier Jazzkonzerte statt, das Restaurant serviert frische finnische Sommerküche. Es duftet nach frischem Fisch und gegrilltem Gemüse. Wir gönnen uns einen einen Drink, bevor wir wieder auf das Boot Richtung Marktplatz steigen.

Pihlajasaari und Kaunissaari

Ein Aktivtag liegt vor uns: mit Kayaks geht es heute in den östlichen Teil des Inselgebiets vor Helsinki. Hier schippern Ausflugsboote, Segelboote und Kayaks nebeneinander her, aufgrund der zahlreichen Inseln ist das Meer hier ruhig und daher auch für Anfänger zum Kayaken gut geeignet. Weit muss man hier nicht paddeln, um im absoluten Naturparadies zu landen, doch heute ist unser Ziel Kaunissaari – zurecht heißt sie “schöne Insel”. Das Wasser ist wie im Bilderbuch heute: kein Windstoß zu sehen, keine Welle zu spüren, dennoch ist das Licht dank ein paar Wolken dynamisch und es ist nicht zu heiß.

Kaunissaari liegt von unserem Startpunkt in Vuosaari aus gute 11 km weit entfernt, eine ordentliche Strecke – jedoch bei dem Traumwetter durchaus machbar. Wir werden die Nacht auf Kaunissaari verbringen, doch wirklich ist hier der Weg das Ziel. Die Insellandschaft um uns herum ist atemberaubend. Jedes Mal, wenn ich hier unterwegs bin, kann ich nicht glauben, dass wir bis zu unseren Kayaks ab dem Hauptbahnhof keine halbe Stunde gebraucht haben – und nun sind wir hier. Ist man weniger sportlich unterwegs, kann man hier auch mit dem Boot hingefahren werden.

Für Strandliebhaber und Kletterfreunde bietet sich hingegen Pihlajasaari an. Dieses Juwel liegt nicht weit von Helsinki Richtung Westen und ist mit dem Taxiboot von Ruoholahti und Merisatama in etwa 20 Minuten leicht zu erreichen.

Wir wollen hier gern den Tag verbringen, sprechen uns mit Freunden ab und treffen uns zum gemeinsamen Strandtag mit Snacks und kühlen Getränken. Für die Kletterer unter uns ist Pihlajasaari ein beliebtes Ziel, zum Freiklettern finden sich Felsblöcke unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Die anderen machen es sich auf dem Hauptteil des Strandes gemütlich, dieser liegt direkt gegenüber der Stadt. Wir können Kreuzfahrtschiffe und Fähren bei ihrer Ausfahrt beobachten, während wir uns im Wasser abkühlen, und auch hier ist dieser Kontrast schon fast ein wenig surreal.

Pihlajasaari ist wohl meine Favoritin unter den  Ausflugsinseln, so vielseitig, nah und unberührte Natur – das findet sich nicht so schnell und einfach. Viele versammeln sich auch hier an Mittsommer, um um das Lagerfeuer zu tanzen. Der Sandstrand ist vielleicht wirklich mein bevorzugter Strand in der Stadt. Das Wasser ist klar und nicht zu tief, perfekt für eine Abkühlung an heißen Sommertagen.

Zum Überwinden des Nachmittagstiefpunkts besuchen wir die alte Holzvilla, ein paar Minuten vom Strand entfernt. Unsere Kletterer kommen auch dazu, dort wird auch dringend Kaffeenachschub gebraucht. Die Terrasse hat einen herrlichen Seeblick, und auch hier duftet es einladend nach Räucherlachs. 

Uunisaari

An unserem letzten Tag lassen wir es wieder ruhiger angehen. Wir bleiben im Zentrum von Helsinki, denn gleich vor der Stadt liegen kleine Schätze wie Uunisaari. Ein ehemaliges Erholungsgebiet aus den 1930er Jahren, welches jedoch schon Ende des 19. Jahrhunderts als Spa eröffnet wurde. Lange eher den wohlhabenderen Bewohnern vorbehalten, ist Uunisaari heute ein Ort für jedermann. Im Winter mit einer kleinen Brücke zum Festland (oder gleich über das Eis) erreichbar, im Sommer dauert es keine drei Minuten mit dem Boot herüber. Der kleine Strand mit Blick auf die bunten Stadtvillen von Eira lädt zum Verweilen ein, das Café verkauft die besten Munkki der Stadt. Der hintere Teil der Insel offenbart das offene Meer, kleine Inseln und ein Farbenspiel ohnegleichen – hier ist es oft schwer zu sagen, wo der Himmel beginnt. Wenn ich eine kurze Auszeit brauche, aber für die Auszeit keine Zeit habe, bringt mich Uunisaari verlässlich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, ich kann durchatmen, die Füße ins Wasser halten und mich über meinen Munkki freuen.

So viele Inseln hätten wir noch besuchen können – aber die Zeit reicht dieses Mal nicht dafür. So freuen wir uns auf einen nächsten Besuch „neuer“ Inseln, und bekanntlich ist ja Vorfreude die schönste Freude. Also auf ein Neues! 


Tipps zu den Inseln vor Helsinki von Deinem Team von Dein Finnland:

Visit Helsinki bietet einen guten Überblick über die Inseln vor der Ostseemetropole.