Allein unter Sauna-Elfen in Kuusamo

Elke Weiler

Oder wie ich abhängig vom finnischen Saunieren wurde

Eines Abends in Kuusamo, Lappland. Wir sitzen gemütlich bei einem köstlichen Poronkäristys zusammen, also bei geschnetzeltem Rentierfleisch mit Kartoffelpüree und frischen Preiselbeeren. Man lacht, genießt, prostet sich zu. Da steht mit einem Mal eine Frau mit Zipfelmütze, Bademantel und Filzpantoffeln vor uns und behauptet, sie sei eine Elfe. Und ich schwöre, es liegt nicht am Wein. Elfen hatte ich mir in punkto Mode anders vorgestellt, doch ich wollte weder meine Unkenntnis zum Gesprächsthema machen, noch die freundliche Elfe brüskieren. Sie lädt uns nämlich zu einer zweitägigen Tour ein und will uns die finnische Sauna näher bringen – von traditionellen Typen bis hin zu neuen Erscheinungsformen.

Gleich am nächsten Tag sehe ich doppelt: Es erscheinen zwei Elfen im gleichen Outfit, die uns anlächeln. Unterscheidbar in Statur, Haarfarbe, Geschlecht. Der ruhige männliche Elf, ein Fels in der Brandung, wird als Lehrling vorgestellt, was aber für den weiteren Verlauf der Geschichte unerheblich ist. Auf uns Unbedarfte wirkt er gleich wie ein Voll-Elf. Und so folgen wir ohne zu zögern unseren Elfen, steigen in einen Bus und fahren Richtung russische Grenze. Ganz nebenbei erfahren wir mehr über die Spezies. Der Haltija – Finnisch für Geist oder Elfe – lebt gemeinhin in Wäldern und Wassern, aber auch in Häusern oder eben Saunen. Und er will wohlgestimmt sein. Unsere Elfen hingegen scheinen vor allem um das Wohl der Gäste und eine gute Stimmung bemüht zu sein. Mehr noch: Sie wollen uns Unkundigen finnischen Lifestyle nahe bringen. Slow Life. Sauna. Daher passt diese Art der Begleitung wie die Faust aufs Auge. Oder besser: wie die Birkenzweige in die Sauna. Wie der Dampf. Wie das Schwitzen.

Unsere Startsauna finden wir in den Holzhäusern des Isokenkäisten Klubi, was so viel bedeutet wie „Club der großen Nummern“. Die aktuellen Inhaberinnen Katja und Sirpa heißen uns in typischer Saunakleidung willkommen, sehen also wie weitere Elfen aus. Bei einem Gläschen selbstgemachten Blaubeersafts klären sie uns über die Vorgeschichte des Klubs auf. Die großen Nummern, das seien echte VIPs gewesen, denn in Finnland wird nicht selten Geschichte geschrieben in der Sauna. Man trifft sich wie von der Natur geschaffen und entspannt gemeinsam – also die perfekte Atmosphäre für Geschäftsabschlüsse oder politische Entscheidungen.

Apropos natürliches Outfit. Wieso sind unsere Elfen eigentlich mit Filzhüten und so weiter bekleidet? Schwitzt man denn nicht gänzlich ohne? Richtig. Aber zwischen den Saunagängen macht so ein Bademäntel viel her. Er macht die Pausen gemütlicher, oder sagen wir, den Weg zum See. Zum eiskalten See. Und ein winziges Detail behält man in der finnischen Sauna doch an: den lustigen Hut. Ich habe nicht herausbekommen, warum er diese Zipfelform hat. Aber der Hut nützt bei der Hitze, genauso wie eine Mütze vor Kälte schützt.

In Finnland weiß man das einfach. Schließlich ist jeder Finne Experte in diesen Dingen und hat das Wort „Sauna“ in die Welt getragen. Natürlich gibt es jede Menge öffentliche Saunen. Aber ein Finne ohne eigene Sauna wirkt schon etwas suspekt. Wie sollte man sich sonst gesund halten? Da gibt es dieses finnische Sprichwort: Wenn Schnaps, Teer und Sauna nicht helfen, dann ist die Krankheit tödlich. Alles andere kann man ja ausschwitzen.

Bevor wir im Dampf verschwinden, macht Eveliina uns klar: „Das Wichtigste ist, dass ihr euch wohlfühlt.“  Jeder muss selber wissen, wie lange er drin bleibt, wie oft er hineingeht, was er drinnen tut. Und ob er zwischendurch in den See springt. Wo es in früheren Zeiten in der Sauna vor allem um die Sauberkeit ging, sei heute Achtsamkeit wichtig.

Wir hängen die Bademäntel an die Garderobe und versammeln uns in der Rauchsauna. Nicht ohne Filzmützen natürlich. Der Rauch ist längst abgezogen, doch durch die spezielle Heiztechnik fühlt man sich ein bisschen wie in einer Räucherstube. Die Wände sind schwarz und unsere Haut auch, wenn wir uns anlehnen. Das ist nur noch durch eine ordentliche Schlammpackung zu toppen. Schön sehen wir aus, allerdings lässt sich der Schlamm auf der Haut selbst beim anschließenden Baden im See Heikinjärvi nur schwer entfernen. Nebenbei bemerkt: Das Wasser ist frisch im September, sehr frisch. Aber es gibt nichts Besseres zwischen den Saunagängen.

Wieder zurück in der Sauna, philosophiere ich vor mich hin. Frage mich, ob Saunen in Finnland grundsätzlich an Seen gebaut werden, oder ob es ganz egal ist, wo man seine Sauna hinstellt. Denn der nächste See ist sowieso nicht so weit weg, als dass man nicht im Bademantel oder auch ohne dorthin gehen könnte. Wandeln könnte. Schweben. Denn nach jedem Saunagang fühlst du dich anders. Neuer. Ruhiger. Finnischer.

Darum bleibt es nie bei einem einzigen Saunagang. Auf unserer Saunatour sowieso nicht. Im kompletten Sauna-Outfit machen wir uns auf den Weg zu Pohjolan Pirtti im Dorf Voutunki, eines der ältesten von Kuusamo. Mit Hut, Bademantel und Puschen ab in den Bus, noch ein Beerensaft bei der Ankunft, Grußworte von Tanja vorm Kamin, während ihr Mann Matti an unserem Abendessen werkelt. Ein echter Künstler in Sachen finnisches Food, wie wir später erfahren. Die Sauna sei bereits aufgeheizt, so Tanja. Dieses Mal eine normale Holzofensauna. Und daneben der Clou: ein Hot Pot mit Blick auf den See Vuotunkijärvi.

Welcher natürlich genauso so bitterkalt wie der Heikinjärvi anmutet. Aber das nur am Rande. Eine Sauna ohne kühlen See ist wie ein Haus ohne Sauna. Möglich, aber sinnlos. In Bezug auf die Sauna-Elfen bleibt mir nicht verborgen: Sie schwitzen in der Sauna wie ein normaler Mensch. Es gibt keinen Elfen-Bonus. Aber darin liegt ja gerade der Witz des Saunierens. Alle sind gleich.

Man muss in der Sauna nicht reden. Aber man kann. Über den Dampf zum Beispiel, ein schier unerschöpfliches Thema. Seine Beschaffenheit, seine Quantität und Verbreitung. Eigentlich kann nie genug davon sein. Der Dampf als Quintessenz einer Sauna. Und klar, Saunieren kurbelt den Kreislauf an und trägt zur Entgiftung bei. Man schläft wie ein Baby danach.

Da geht noch mehr, denke ich bei einem grandiosen Fisch-Ceviche und Mattis ebenso grandiosem Rote-Beete-Pâté, bei Lachs, marinierten Zwiebeln, Pilz-Salat im Haupthaus von Pohjolan Pirtti. Und tatsächlich. Am nächsten Tag landen wir nach einem wunderbaren Vormittag im Wald mit Wandern und Beerenpflücken in der Sauna des Iisakki Village. Aber was ist das? Nur 50 Grad? Ein Witz.

Ich verhalte mich ruhig, denn sonst stimmt ja alles, der See Rukajärvi ist auch nicht weit. Hanna erscheint auf der Bildfläche, keine Elfe, ihres Zeichens Expertin in Sachen Yoga. Dreißig Minuten lang versuchen wir ihren Dehnübungen in der gut gefüllten Sauna nachzueifern. Immer wieder stoße ich mit dem Sitznachbarn zusammen. Dehnen, meditieren, schwitzen. Eine geniale Kombination. Und die 50 Grad passen optimal. Natürlich will Hanna danach wissen, ob wir zum richtigen Saunieren übergehen. Keiner, der das nicht will. Und schon dampft es tüchtig. Zwar floss bereits beim Yoga der Schweiß in Strömen, und Hanna ermahnte uns immer wieder genug zu trinken, doch nun schwitzen wir entspannter.

Sauna-Yoga könnte ich täglich machen. Saunieren übrigens auch. Zum krönenden Abschluss der Saunatour führen uns die beiden Elfen an einen magischen Ort, nach Pyhäpiilo, ein Hideaway mit Ausblick auf den heiligen Berg Pyhävaara. Sie sagen, er sei den einst hier lebenden Sámi ein mystischer Ort gewesen, und auch heute noch strahlt er etwas Erhabenes aus. Zu seinen Füßen breitet sich der Pyhäjärvi aus, also der heilige See. Wir saunieren ein letztes Mal gemeinsam mit den Elfen und baden im See, bevor die Sonne untergeht.

Birken- und Wacholderzweige setzen wir inzwischen ebenso routiniert ein wie die Einheimischen oder Elfen. Wir reiben uns mit einem Peeling aus Salz, Honig und Kiefernteer ein, relaxen bei Fußbädern im Freien und entwickeln Ideen für die Zukunft, während die Sonne langsam und rotglühend hinter dem Pyhäjärvi verschwindet.

Die Elfen haben einen ausgezeichneten Job gemacht, und ich überlege schon, ob uns nicht auch im heimischen Nordfriesland eine kleine Sauna bereichern würde. Zwar wäre kein See in der Nähe, was dem finnischen Traum nahe käme. Doch das Meer. De facto habe ich seit Pyhäpiilo nicht mehr vernünftig geschwitzt.

Tipps von Deinem Dein Finnland Team

Wenn Du mehr über die Vielseitigkeit der finnischen Sauna erfahren möchtest findest Du auf der Webseite von Visit Finland noch mehr dazu.

Wenn Du auch eine solche Sauna Tour machen möchtest, findest Du hier alle weiteren Informationen dazu.