Hendrik Morkel

Päijänne – Der längste See Finnlands

Vom Kajak fahren und Sauna bauen

Finnland hat über 180.000 Seen, doch nur einer kann der längste sein – und das ist mit knapp 120 km der Päijänne See. Er liegt zwischen Lahti im Süden und Jyväskylä im Norden und ist mit über 16.000 Sommerhäusern an seinen Ufern ein See, an dem ich viele Erinnerungen gemacht habe.

Im Kajak zu Alvar Aaltos Sommerhaus

Jyväskylä, die Studentenstadt mit dem für uns Deutsche recht komplizierten Namen, war für fünf schöne Jahre meine Heimat. Immer noch besuche ich die Stadt gerne, denn das weltoffene und freundliche Flair dieser Stadt ist besonders im Sommer spürbar. Während meiner fünf Uni-Jahre ist mir eine Exkursion besonders gut im Kopf geblieben: Der Besuch in Alvar Aaltos Sommerhaus auf der Insel Muuratsalo, die wir mit dem Kajak angesteuert haben.

Mit einem geliehenen Kajak sind meine Freundin und ich damals vom Strand vor der Universität von Jyväskylä in See gestochen. Weil man im täglichen Leben doch weit über den Dingen steht – im wahrsten Sinne des Wortes – war es eine ganz neue Erfahrung, sich nun sitzend und nicht sehr hoch über der Wasseroberfläche fortzubewegen.

Während wir gegen den Wind paddeln, ragt hoch über uns die Brücke nach Kuokkala. Wir bewegen uns immer in greifbarer Nähe des Ufers gen Osten, dann gen Süden. Wir passieren einige größere Buchten durch das offene Wasser bis wir einige Zeit später an der Insel Muuratsalo ankommen.

Im Vorfeld hatten wir mit dem Alvar Aalto Museum in Jyväskylä abgesprochen, dass wir an der Führung durch das Experimentalhaus teilnehmen möchten und via Kajak anreisen würden. So wartet am Ufer schon unsere Führerin mit einem Lächeln auf uns – es war das erste Mal das Gäste mit dem Kajak ankommen, lacht sie. Architektur-Fans kommen im Experimentalhaus von Alvar Aalto, das er und seine Familie auch als ihr Sommerhaus – also ihr Mökki – genutzt haben, voll auf ihre Kosten. Ein Innenhof mit zwei Wohnflügeln und einer Mauer bilden das Zentrum des Experimentalhauses. Im Gebäude selbst hat Aalto verschiedene Materialien, Techniken, Formen und Proportionen ausprobiert. Auch wenn das Haus selbst sehr inspirierend ist, sind die Granitsteine unten am Ufer des Päijänne, dort wo unsere Kajaks liegen, das, was uns am besten gefällt. So bleiben wir nach der Führung noch ein wenig unten auf den Felsen sitzen, essen und trinken etwas, bevor es wieder knapp über dem Wasser zurück nach Jyväskylä geht.

Mittsommer in Lahti

Lahti war mir eigentlich immer nur als Winterstadt bekannt – die Skitürme über der Stadt am südlichen Ende des Päijänne sind auch im Sommer immer präsent. Aber es war erst mit meiner Frau und mit unseren Freunden Jani und Hannakaisa im Mittsommer (Juhannus), dass mir bewusst wurde, dass Lahti nicht nur zum Skispringen einlädt. Jani hat ein wunderschönes altes Holzboot, das er von seinem Vater geerbt hat, und das er als Schreinermeister liebevoll in Schuss hält. Nach einem Jahr des Restaurierens lud er uns an Mittsommer ein, mit ihm den Päijänne-See zu erkunden. Da wir noch nichts vorhatten und man Juhannus am Besten mit Freunden am Wasser verbringen sollte, nahmen wir die Einladung gerne an.

Bei strahlendem Sonnenschein und heißem Wetter stachen wir von Lahtis Hafen aus in See und schipperten für einige Stunden über den Päijänne. Irgendwann fanden wir eine herrliche kleine Insel, an der wir anlegten und an Land gingen.

Dann fing nach dem gemächlichen Seemanns-Leben auf dem Päijänne erst einmal die harte Arbeit an, denn wir hatten uns zum Ziel gesetzt, ein Sauna zu bauen. Ein Saunazelt hatten wir dabei – aber den Ofen aus Steinen mussten wir erst einmal zusammentragen und bauen! Nach einer Stunde des gemeinsamen Arbeitens hatten wir genug Steine beisammen, um unseren Saunaofen anzuheizen. Unsere traditionelle Savusauna – also eine Sauna, bei der man mit Holz die Steine anheizt und der Rauch in der Sauna bleibt – war gen Sonnenuntergang fertig. Lachend saßen wir vier in unserer kleinen Zelt-Savusauna und sprangen danach in den Päijänne See, um uns abzukühlen.

Auch heute, viele Jahre später, denke ich noch immer, dass diese eine der besten Juhannus-Feiern war, die ich erlebt habe.

5 Tipps aus der Jyväskylä und Zentralfinnland Region

Man kann nicht Alvar Aalto sagen ohne auch Jyväskylä zu erwähnen. Die Stadt besitzt die höchtste Anzahl an Aalto-designten Gebäuden auf der Welt, um die 30 insgesamt. Das Alvar Aalto Museum, das Universitätsgebäude und das Rathaus von Säynätsalo sind einige seiner wichtigsten Gebäude und in und um Jyväskylä gelegen.

Mehr Informationen zu seinen Gebäuden gibt es auf der Webseite des Alvar Aalto Museums.

Lutakko Hafen und Päijänne Kreuzfahrt

Im Sommer sind die Einwohner von Jyväskylä in der Regel im Hafen im Stadtteil Lutakko anzutreffen. Man spaziert entlang der Promenade, isst ein Eis oder trinkt etwas mit Freunden. Wer ein gutes Konzert hören möchte, wird im besten Rock Club Finnlands – Tanssisali Lutakko – sicher auch auf seine Kosten kommen. Natürlich ist der Hafen auch der richtige Ort, um eine Päijänne-Kreuzfahrt zu starten oder ein Hausboot zu mieten, mit dem man den See erkunden kann.

Auf dem Rantaraitti um den Jyväsjärvi See

Wer lieber auf trockenem Land bleibt, aber trotzdem gerne in der Nähe des Wassers unterwegs ist, kann auf dem Rantaraitti um den Jyväsjärvi See spazieren, Radfahren oder joggen. Der Rantaraitti ist beleuchtet und bietet schöne Aussichten auf die Stadt. Danach kann man entweder im Lutakko Hafen ein Eis kaufen oder in den nahegelegenen Toivolan Vanha Piha spazieren, um dort in einem tollen Ambiente einen Kaffee zu genießen.

UNESCO Weltkulturerbestätten

In der Region um Jyväskylä gibt es gleich zwei UNESCO Weltkulturerben: Einmal die alte Petäjävesi-Holzkirche, die beispielhaft für nordische Holzarchitektur steht. In Korpilahti findet man auf dem Oravivuori Hügel einen Triangulationsturm, welcher im 18. Jahrhundert half, die Form der Erde zu ermitteln.

In der Natur entschleunigen

In Mittelfinnland gibt es fünf Nationalparks und Dutzende von Naturpfaden, auf denen man der Stadt entkommen kann. Mehr Information zu den Nationalparks gibt es auf der Outdoors.fi Website. Wer etwas ganz Besonderes ausprobieren möchte, sollte ein Waldbad in Himos probieren. Dabei wandert man mit einem Führer durch den Wald, lernt interessante Sachen und am Ende kann man mit einer lokalen Familie bei einem Bad (oder Sauna) den Tag ausklingen lassen.

Mehr Tipps und Information gibt es auf der Webseite von Visit Jyväskyklä.

5 Tipps aus der Lahti Region

Der Hafen von Lahti

Auch in Lahti ist im Sommer der Hafen Dreh- und Angelpunkt der Stadt. Hier genießen jung und alt die lauen Sommerabende auf den Terrassen der Cafés und Restaurants. In der Nähe gibt es auch einige Sehenswürdigkeiten: Der Internationale Holzarchitektur-Park, die Pro Wood Galerie und der Lanu-Skulpturen-Park, um nur einige zu nennen. Auch ist es nicht weit bis zum Lahti-Sport-Zentrum, wo man sich die Stadt von oben ansehen kann.

Die Sibelius Halle

Ein Meisterstück moderner Holzarchitektur und eine der besten Konzertgebäude der Welt ist die Sibelius Halle. Das Lahti Symphonieorchester spielt hier regelmäßig Konzerte und erlaubt Euch, die grandiose Akustik zu erfahren und zu spüren.

Lokales aus Lahti

Sehr bekannt über die Grenzen von Lahti hinaus ist die kleine Teerenpeli Brauerei und Destillerie, die einige exquisite Biere und Whiskeys herstellt. Wer Hafer mag, sollte die Produkte der Geschwister Ylä-Hemmilä und ihrer Firma Oatlaws probieren, und wer sowieso eher auf lokale Produkte steht, muss unbedingt bei Heila in Heinola  vorbeschauen: dort findet man die besten lokalen Produkte – von frischem Käse zu Backwaren, Obst, Gemüse und Fleisch.

Paddeln im Päijänne Nationalpark

Im Päijänne Nationalpark kommen Paddler aller Arten voll auf ihre Kosten. Der zum größten Teil auf Inseln gelegene Nationalpark im Süden des Päijänne Sees fasziniert mit seinen Esker Inseln und steinigen Stränden. Auch Wanderer komme auf ihre Kosten, den die Kelvenne Insel lässt sich auf einem 9 km langen Pfad zu Fuß erkunden.

Der Vääksy Kanal und der Pulkkilanharju Esker Grat

Eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden sind sicher der Vääksy Kanal und der Pulkkilanharju Esker Grat. Der 8 km lange Pulkkilanharju Esker gibt fantastische Ausblicke auf die finnische Seenlandschaft und ist besonders gut mit dem Fahrrad zu erkunden. Im Dorf Vääksy kann man in einem der lokalen Cafés nach der Radtour dann ein Stück Kuchen genießen, während man den Booten beim durchqueren des Vääksy Kanals zusieht.Mehr Information gibt es auf der Webseite von Visit Lahti und Visit Päijänne.