Inselshopping rund um Savonlinna

Sharmila Stanossek

Ein perfekter Tag zum Seele baumeln lassen inmitten der finnischen Seenplatte

Gelegen auf mehreren Inseln am Saimaa-See, lockt die faszinierende Stadt Savonlinna seit Jahrzehnten Urlauber aus aller Welt in den Osten Finnlands. Durch ihre Lage, umgeben von wunderschöner Natur, bietet die Stadt einen idealen Ort für einen gelungenen und entspannten Urlaub.

Savonlinna liegt rund 330 Kilometer nordöstlich von Helsinki inmitten der Finnischen Seenplatte, der ostfinnischen Landschaft Südsavo. Von Helsinki erreicht man Savonlinna bequem mit dem Flugzeug. Aus den anderen Teilen Finnlands kann man auch ganz einfach dem Zug oder dem Bus anreisen. Wir entscheiden uns für die gut fünfstündige Zugfahrt von Helsinki nach Savonlinna, inklusive Umsteigen in Parikkala, was problemlos klappt.

Während der Sommermonate bietet sich auch eine Dampfschiffsfahrt von Kuopio oder Punkaharju zur Anreise an, wo die schöne Seenlandschaft mit unzähligen Inseln bereits bewundert werden kann.

Savonlinna zu Fuß erkunden

Savonlinna erkundet man am Besten zu Fuß. Der Stadtkern ist nicht sehr groß, so dass alles fußläufig und gut zu erreichen ist. Savonlinna ist bekannt für seine beeindruckende Burg.

Die Burg Olavinlinna ist die bekannteste Sehenswürdigkeit Savonlinnas und ist heute die besterhaltene mittelalterliche Festung Nordeuropas. Der Bau der Burg begann 1475 und wurde an der damaligen Grenze zwischen Schweden und Russland erbaut. Seit 1975 ist die Burg für die Öffentlichkeit zugänglich und kann alleine oder mit einer Burgführung erkundet werden. Zwei Museen stellen die spannende Geschichte der Region vor. Die Stufen im Inneren der Türme sind nicht ganz leicht zu erklimmen, aber der Aufstieg lohnt sich, der Blick auf die wunderbare Seenlandschaft ist atemberaubend.

Von der Burg schlendert wir zurück in die Innenstadt, um dem Markt einen Besuch abzustatten. Das Besondere an dem Markplatz: er liegt direkt am Wasser, im Herzen der Stadt und lädt zum Verweilen, Stöbern und Probieren ein. Die Händler kommen aus dem Umland in die Stadt, um ihre frische Ware zu verkaufen und mit den Marktbesuchern ins Gespräch zu kommen. Wir schauen uns um und stellen fest, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Es gibt frisches Gemüse, Wurzelgemüse, Obst, frische Beeren, Backwaren (die Finnen lieben Süßes) und, verschiedene Blumen, Textilwaren und Schmuck.

Was auf dem Markt auf gar keinen Fall fehlen darf und sehr häufig zu finden ist: Kalakukko – ein traditionelles Gericht aus der Region Savo, bei dem es sich um in Brot gebackenen Fisch handelt. Traditionell besteht die Füllung auf einem kleinen, heringsähnlichen Fisch aus der ostfinnischen Seenplatte. Kalakukko galt früher als ideale Mittagsspeise für die örtlichen Bauern und Fischer, da die Pastete alles Notwendige für eine vollwertige Mahlzeit enthält.

Von Insel zu Insel – und einfach mal die Seele baumeln lassen

Wir sind nach Savonlinna gekommen um die einzigartige Natur zu genießen. Für Naturliebhaber und Genießer gilt Savonlinna als Traumziel – dem würden wir nicht widersprechen. Es gibt zwei Nationalparks in der Region, Kolovesi und Linnansaari, die die besten Bedingungen fürs Wandern, Kanufahren und Radfahren bieten. Da wir aber nur noch einen Tag zur Verfügung haben, die Inselwelt mitten im Saimaa-Seengebiet, dem Seelabyrinth Finnlands zu entdecken, gehen wir zu Fuß weiter.

Der Saimaa ist Finnlands größter See und der viertgrößte Süßwassersee in Europa. Er ist kein klassischer See, sondern ein Verbund aus vielen Gewässern und Inseln, die einem Labyrinth ähneln. Die Küstenlinie ist mit ihren 14 500 km der längste Uferstreifen der Welt.

Der See erstreckt sich über eine Fläche von ingesamt 4400 km2 und beherbergt mehr als 13 700 Inseln. Manche der kleinen Inseln sind mit Brücken verbunden, so dass wir prima von einer Insel auf die nächste spazieren können.

Auf Vääräsaari befindet sich unser Hotel. Hinter dem Haus haben wir eine kleine weiße Brücke entdeckt, die über kristallklares Wasser führt. Neugierig machen wir uns auf den Weg um herauszufinden, wohin die Brücke führt. Fasziniert von dem blauen Wasser und den grünen Bäumen folgen wir der Brücke und landen auf  Verkkosaari. Wir haben das Gefühl wir sind alleine auf der Insel und suchen uns einen Weg, der parallel zum Wasser verläuft. Das einzige Geräusch das wir hören, ist das Rauschen der kleinen Wellen, wenn sie an Land schlagen, das Zwitschern der Vögel und unsere Schritte. Wir sind völlig eins mit der Natur und wir merken, wie schnell wir zur Ruhe kommen und zufrieden lächeln.

Ein See mit Aufgabe

Beim Kauf unseres Kalakukko haben wir erfahren, dass der Muikku, im See beheimatet ist und der wichtigste Speisefisch Finnlands sei. Der Fischfang ist daher ein sehr beliebtes Hobby, aber auch ein wichtiger Erwerbszweig. Das Wasser im See ist so sauber und die Wasserqualiität so gut, dass wir es direkt aus dem See trinken könnten. Uns fällt es nicht schwer dies zu glauben, nie zuvor haben wir so klares Wasser gesehen.

Kein Ufer gleicht dem Anderen

Während wir am Ufer sitzen und auf das Wasser schauen, erblicken wir gegenüber eine weitere Insel, zu der eine weiße Brücke führt.

Neugierig wie es wohl auf der Insel aussehen würde, machen wir uns auf den Weg, um die neue Insel zu erkunden. Wieder auf Vääräsaari angekommen, spazieren wir zur eben entdeckten Brücke und stellen fest, in der Mitte wird sie durch eine kleine Insel getrennt. Wir laufen los und verlieren uns in der unglaublichen Stille und Schönheit der Natur.

Auf Sulosaari angekommen sind wir ein bisschen überrascht, denn obwohl die kleine Insel so grün von gegenüber leuchtete, sieht sie doch ganz anders aus als Verkkosaari. Es ist typisch für die Region, dass kein Ufer dem anderen gleicht. Hier werden noch die Spuren der letzten Eiszeit deutlich. Die glatten Uferfelsen verdanken ihre Konturen der Eisschmelze, ebenso die Formen der Inseln. Die kleinen Inseln, auf denen wir uns bewegen sind meist aus Felssteinen, die mit Moos bewachsen und Bäumen und Sträuchern verziert sind.

Wir machen es uns unter den Bäumen mit unserer Decke gemütlich, schließen die Augen und genießen den Tag. Einen besseren Ort um die Großstadt hinter sich zu lassen, gibt es kaum. Die Schönheit der Natur vereinnahmt uns sofort, so dass wir gar nicht anders können, als zufrieden zu grinsen. Für uns kann dieser perfekte Tag nur noch durch eine eigene Hütte am See übertroffen werden, so der Plan für die Zukunft. Eine Hütte am See gehört fest zur finnischen Lebensweise. Alleine in Region um den Saimaa in Süd-Savo gibt es mehr als 45 000 Hütten, die zum Teil gemietet werden können, so dass man ein Ufer, einen Steg und eine Saune kurzzeitig sein Eigen nenn kann.

Wer einmal da war, kommt immer wieder zurück

Für uns steht sehr schnell fest, einen wunderbareren Ort zum Seele baumeln lassen gibt es nicht, wir müssen definitiv wieder kommen. Die Natur ist so atemberaubend schön, dass sie jeden Besucher sofort in ihren Bann zieht. Die Einen lieben es in der Sonne zu liegen und abzuschalten, die Anderen kommen her um sich aktiv auf dem Wasser oder in der Natur zu bewegen. Fakt ist, die finnische Natur macht glücklich und dient als Auszeit für Geist und Seele. Wir haben das Gefühl alles passiert ein bisschen langsamer, als würde Jemand die Zeit absichtlich verlangsamen und Jeden zum Entschleunigen zwingen. Es könnte wahrlich schlimmer sein.

Mehr über die Seenplatte erfahrt Ihr auf der Webseite von Visit Finland.  Ari, der Dampferkapitän erzählt Euch in einem Video noch mehr über seinen geliebten Saimaa-See.