In Fremden Gärten

Hendrik Morkel

Ein Besuch in der Holzhausstadt Kristiinankaupunki

Jedes Jahr zum Sommeranfang öffnen die Einwohner der Stadt Kristiinankaupunki an der Westküste von Finnland ihre Gartentore und lassen Besucher in ihre Gärten. Neben Gartenzwergen und vielen Blumen gibt es auch traumhaft schöne Aussichten und neue Ideen für den eigenen Garten zu entdecken. Wer dazu noch traditionelle Holzhäuser, gutes Essen und Seeluft schnuppern mag, kommt in Kristiinankaupunki voll auf seine Kosten.

Eine entschleunigte Stadt

Kristiinankaupunki stand für uns schon lange auf dem Plan. Es ist nur eine kurze Autofahrt von Vaasa entfernt und weiß mit seinem gut erhaltenen Stadtbild mit alten bunten Holzhäusern, grünen Gärten und einladenden Cafés zu entzücken. Dazu besitzt die Stadt mit dem Ferienhaus Vinkel ein wunderschönes Holzhaus mitten im Zentrum, in dem man wie die Einheimischen übernachten kann! Das ist für meine Frau und mich Grund genug, unsere kleine Tochter mitzunehmen und für ein Wochenende diese Stadt an der Ostsee zu erkunden. Zudem wollen wir beim Gartenevent “Offene Pforten” Inspirationen für unseren eigenen Garten finden!

Die kleine Stadt mit knapp 6.800 Einwohnern liegt etwas abseits der Hauptstraße E8, die sich an der Ostsee entlangschlängelt. Sie befindet sich auf einer Landzunge, umrundet von der Ostsee und der kleinen Högholmssundet-Bucht, in die der Fluss Tjöck mündet. Die Bucht ist ein Vogelparadies und wer gerne Vögel beobachtet, sollte sein Fernglas auf jeden Fall mitnehmen und auf dem Naturpfad am Anfang der Stadt einen Spaziergang machen.

Wir wollen nach der Autofahrt allerdings erst einmal etwas essen und nach einem kurzen Besuch in der Touristeninformation im Zentrum sitzen wir gleich nebenan im Restaurant Gastro, das ein sehr gutes Mittagsbuffet in angenehmem Ambiente anbietet. Es gefällt uns gut, dass es hier einen Kindersitz gibt und dass wir bei der großen Essensauswahl auch etwas für unsere kleine Tochter finden!

Während wir essen, blättern wir durch örtliche Prospekte und finden heraus, dass Kristiinankaupunki Finnlands erste „Cittàslow-Gemeinde“ ist. „Cittàslow“ ist eine Bewegung, die in Italien gegründet wurde, inspiriert von der Slow-Food-Bewegung. Die Hauptziele sind die Verbesserung der Lebensqualität in Städten und das Verhindern der Vereinheitlichung und Amerikanisierung von Städten, in denen Franchise-Unternehmen dominieren.

Da es in Kristiinankaupunki weder einen Starbucks noch einen McDonalds gibt, scheint sich dieser Gedanke gut durchgesetzt zu haben – auch wenn es natürlich einige bekannte finnische Unternehmen gibt. Uns fällt an diesem Wochenende tatsächlich auf, dass viele kleine Läden, Cafés und Restaurants schöne, leckere und individuelle Sachen anbieten – Ketten-Kaffee und -Hamburger sucht man hingegen vergebens. Aber eigentlich sucht man gar nicht!

Bunte Holzhäuser, enge Gassen und der Duft des finnischen Sommers

Nach Kaffee und Kuchen im Hiltan Herkkupaja Café machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Genau wie die bekannteren Städte Rauma und Porvoo ist Kristiinankaupunki eine der größten und besterhaltenen Holzhausstädte Finnlands. Leider sind viele andere Holzhausstädte, zum Beispiel Vaasa, im Laufe der Zeit großen Feuern zum Opfer gefallen.

Nachdem wir das steinerne Rathaus passiert haben, gelangen wir zur Ulrike-Eleonore-Kirche, die mit ihrem schiefen Kirchturm eines der Wahrzeichen von Kristiinankaupunki ist. In der Holzkirche schauen wir uns bedächtig die Schnitzereien und Holzschiffe an. Unsere kleine Tochter findet sie wohl nicht ganz so interessant wir wir, was sie hier und da mit einem lauten Ähhhhhh kundtut. Wie gut, dass wir die ganze Kirche für uns alleine haben und niemanden stören!

Neben der Kirche liegt die alte Zollstation, die heute ein kleines Geschäft für Handarbeiten und Antiquitäten ist. Wir erforschen den kleinen Laden voller Krimskrams und unterhalten uns nett mit der Eigentümerin, die uns bezüglich des Gartenevents “Offene Pforten” prompt erzählt, welche ihrer Meinung nach die sehenswertesten Gärten der Stadt sind!

Wir spazieren weiter durch enge Gassen, vorbei an gelben, roten, blauen und grauen Holzhäusern, bis wir an der kleinen Windmühle im Norden der Stadt ankommen. Die Windmühle steht etwas erhöht auf Granitfelsen über der Gemeinde und ist umzingelt von wohlriechenden Büschen der Juhannusruusu, der Mittsommer-Rose. Wir sitzen auf den Felsen während unsere kleine Tochter die Windmühle erkundet, hin und wieder ihre kleine Nase in die Mittsommer-Rosen steckt und uns dann mit einem großen Lächeln ansieht. Auch wir riechen immer wieder gerne an diesen herrlichen Rosen.

Jeder, der zum Sommeranfang in Finnland ist, sollte an dieser Rose riechen, die duftend den finnischen Sommer ankündigt.

Offene Gärten und offene Menschen

Am kommenden Morgen genießen wir das Frühstück in unserem Ferienhaus. Für einen kleinen Aufpreis stellen die Eigentümer einen leckeren Frühstückskorb voller Köstlichkeiten in die Wohnung – absolut weiterzuempfehlen. So kann man mehr Zeit mit dem Frühstücken verbringen und gestärkt in den Tag starten. Leider ist uns das Wetter heute nicht ganz hold, hat sich doch viel Regen angekündigt. Aber wozu gibt es schließlich Regenjacken und einen Regenschirm?

Während es vom Himmel tröpfelt, laufen wir mit der Karte der „Offenen Pforten“ durch die Straßen von Kristiinankaupunki und besuchen diverse Gärten. Oft heißen uns die Eigentümer persönlich willkommen und schnell sieht man, dass jeder Garten perfekt zum Eigentümer passt – mal originell und ausgefallen, mal eher konservativ und mit kurzem Rasen, ein anderes Mal wild und zum spielen einladend. Bunte Blumen, Äpfel- und Kirschbäume, Rosen, grün-schimmernde Hecken, Bänke, Felsen und kleine Teiche liefern genügend Inspiration für unseren eigenen Garten.

Wir unterhalten uns mit einigen Eigentümern, erforschen ihre Gärten, fragen nach, machen Fotos und Notizen, während unsere kleine Tochter in jedem Garten etwas zum entdecken und spielen findet. Leider macht der immer stärker werdende Regen es langsam aber sicher nicht sehr angenehm, draußen auf Erkundungstour zu gehen, und so beschließen wir, ein Café aufzusuchen, um den Regen auszusitzen. Als aber auch nach der dritten Tasse Kaffee kein besseres Wetter in Sicht ist, und selbst die Wettervorhersage keine Besserung verspricht, beschließen wir, wieder gen Heimat zu fahren. Genug Ideen und Inspiration für unseren eigenen Garten haben wir nämlich schon.

Wenn auch Ihr noch auf der Suche nach Garteninspiration und -ideen seid und Holzhäuser mögt, dann solltet Ihr auf jeden Fall im Juni beim Gartenevent “Offene Pforten” in Kristiinankaupunki vorbeischauen – es lohnt sich!

Tipps vom Dein Finnland Team

Die Anreise nach Kristiinankaupunki ist am einfachsten mit dem Bus oder dem eigenen Auto. Ihr könnt mit dem Flugzeug nach Vaasa fliegen und dann mit einem Mietauto an der Küste entlang nach Kristiinankaupunki fahren.

Wer den Charme eines traditionellen roten Holzhauses erleben möchte, schläft am besten im Vinkel.

Leckeres Essen und eine gute Aussicht gibt es im Restaurant Jungman. Einen ebenfalls sehr leckeren Mittagstisch gibt es im Restaurant Gastro. Wer Kaffee und Kuchen zur Mittagszeit mag, ist bei Hiltan Herkkupaja bestens aufgehoben.

Das Gartenevent “Offene Pforten” findet jedes Jahr am Anfang des Sommers statt.

Mehr Informationen zur Stadt Kristiinankaupunki selbst findet Ihr auf der Webseite der Stadt. Wenn Ihr noch mehr über die Holzstädte Finnlands erfahren wollt, findet Ihr auf Visit Finnland noch mehr darüber.